US-Drohnenkrieg: Der Schuss ins eigene Knie

Sage niemand, in den USA gebe es ausschließlich gleichgeschaltete politische Meinungsäußerungen und Analysen. Natürlich – abweichende Stellungnahmen muss man mit der Lupe suchen, doch wenn man fündig geworden ist, so verdient das dann auch die entsprechende Aufmerksamkeit. Diese gebührt beispielsweise dem „Stimson Center“ in Washington, das eine offenbar tatsächlich unabhängige Denkfabrik ist, die sich im wesentlichen mit Fragen der globalen Sicherheit beschäftigt. In diesem Zusammenhang hat sie kürzlich Obamas Drohnen-Praxis ins Auge genommen.

Von Florian Stumfall

Die Angriffe zahlloser US-Drohnen auf beliebig ausgesuchte Ziele in aller Welt können einen Zustand des permanenten Krieges herbeiführen. Die Experten, die das schreiben, kommen keineswegs aus der pazifistischen Ecke, im Gegenteil. „Stimson“ hatte eine Kommission gebildet, die sich mit den Drohnen beschäftigte, und dieser Kommission gehörten ehemalige US-Militärs und CIA-Mitarbeiter an. Wenn es Fachleute gibt, die etwas vom Kriegführen auf offene oder verdeckte Weise verstehen, dann sind es diese Männer.

Sie halten der Obama-Administration vor, dass sie noch kein einziges Mal analysiert hat, inwieweit die pausenlosen Drohnenangriffe tatsächlich dem Interesse der USA dienen. Die Studie selbst nämlich kommt zu der Auffassung, dass der Drohnenkrieg für die Terrorbekämpfung keineswegs nützlich ist. Wörtlich heißt es: „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die US-Strategie zur Vernichtung von Al Kaida eine Zunahme von Extremismus unter Sunniten gestoppt, die Bildung schiitischer Gruppierungen gebremst oder irgendwie sonst den langfristigen Sicherheitsinteressen der USA gedient hätte“.

Ein wesentlicher Grund hierfür liegt darin, dass die kaltschäuzig so genannten „Kollateralschäden“ unter der Zivilbevölkerung zu Empörung und der erhöhten Bereitschaft führen, sich auf die Seite der tatsächlichen oder angeblichen Terroristen zu schlagen bis hin zum Beitritt in die Reihen der Kämpfer. Mit einem Wort: US-Drohnen helfen jedem Islamisten bei der Rekrutierung neuer Kämpfer.

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Die Autoren der Studie verweisen auch auf die rechtliche Seite des Problems und schlagen vor, dafür international gültige Regeln auszuarbeiten. Außerdem empfehlen sie der US-Administration, die Zahlen der getöteten Terroristen und der zivilen Opfer zu veröffentlichen. Hier allerdings scheint die Analyse etwas an Realismus einzubüßen. 

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Ein Kommentar

  1. Dass die immer erst Studien von Experten in Auftrag geben müssen für Fakten, die jeder logisch denkende Mensch auch so wissen müsste und sollte.

    Aber uns "normalen" Menschen spricht man ja kaum eine gewisse Intelligenz und selbigen Intellekt zu. Das ist der größte Fehler, den sie machen.

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