Während innerhalb der Ukraine trotz des fadenscheinigen Waffenstillstandes, den Präsident Poroschenko ausgerufen hat, der Bürgerkrieg tobt, entwickelt sich um das Land herum ein Stellvertreterkrieg der beiden großen Schutzmächte, Russlands und der USA.

Von Florian Stumfall

Das Interesse Russlands ist es, den gefährlichen Brand, den die USA in die Ukraine geworfen haben, vom eigenen Land fernzuhalten. Außerdem kann jederzeit der Fall eintreten, dass der Kreml Russen die im Ausland leben, das heißt in diesem Fall in der Ukraine, zu Hilfe kommen muss. Das schreibt die russische Verfassung vor. Das Interesse der USA liegt in der Durchsetzungskraft der Regierung in Kiew, die sie mit viel Einsatz installiert hat.

Stellvertreterkriege haben es an sich, dass sie den Kampf in abgelegene Regionen und Felder verlagern. So hat die russische Justiz den ukrainischen Innenminister Arsen Awakow und den Gouverneur des Gebiets Dnepropetrowsk, Igor Kolomojski, auf die internationale Fahndungsliste gesetzt. Der Vorwurf gegen die beiden: unter anderem der „Einsatz verbotener Mittel und Methoden der Kriegsführung, der Mord unter belastenden Umständen sowie Menschenentführungen“. Angeblich wurden zu diesem Fall bislang rund 2.400 Zeugen gehört und 1.400 Betroffene registriert. Mehr als 1.000 Personen haben bereits Klagen beim Internationalen Strafgerichtshof und beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eingereicht, hieß es in Moskau.

Awakow, ein Armenier, ist ein klassischer Apparatschik. Er hat in der Ukraine schon allen Seiten gedient, hat sich allerdings auch im Bankgeschäft und in der TV-Branche versucht. Ein anderes Kaliber ist demgegenüber der Oligarch Kolomojski. Neben der ukrainischen besitzt er die israelische Staatsbürgerschaft, ist Miteigentümer der größten Bank der Ukraine, und hat eine Firmengruppe aufgebaut, die weite Teile der Stahl-, Öl-, Chemie-, Energie- und Nahrungsmittelindustrie in der Ukraine kontrolliert. Außerdem mischt er auch im Mediengeschäft mit. Sein Vermögen wird unterschiedlich eingeschätzt, dürfte aber rund 5 Milliarden US-Dollar betragen. Damit unterhält er eine Privatarmee.

Auf der anderen Seite haben die USA Sanktionen gegen Separatistenführer in der Ukraine verhängt. Darunter befinden sich der Vorsitzende des Obersten Rates der sogenannten Republik Donezk, Denis Puschilin, der Chef der ebenfalls nicht anerkannten Republik Lugansk, Waleri Bolotow, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Donezker Republik, Igor Girkin, und der Vizeregierungschef der Donezker Republik, Andrej Purgin. Besondere Härte im Krieg, lautet der Vorwurf. Sollte Moskau den Friedensplan von Poroschenko nicht unterstützen, erklärte US-Finanzminister Jacob Lew, habe es selbst mit weiteren Sanktionen zu rechnen. 

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