Operation Serval: Französische Truppen bleiben in Mali

Eigentlich hatte Frankreichs Kriegsminister Jean-Yves Le Drian geplant, zum Ende des Mais in der malischen Hauptstadt Bamako das Ende der Operation „Serval“ zu verkünden, des Militäreinsatzes in Mali, an dem auch Deutschland in kleinerem Umfang beteiligt ist. Doch daraus wurde nichts, im Gegenteil. Nachdem die Tuareg Einheiten der malischen Armee in die Enge getrieben hatten, sagte Le Drian seinen Besuch ab, unterschrieb aber ein Abkommen mit Mali, wonach der Einsatz der französischen Truppen um einige Wochen verlängert wird.

Von Florian Stumfall

Der „Nouvel Observateur“ nimmt es mit Spott, wenn er an diesem Zeitplan zweifelt und in diesem Zusammenhang Plinius den Älteren zitiert, der gesagt hat: „Afrika ist immer für eine Überraschung gut.“ Tatsächlich hatte das französische Oberkommando einige Einheiten aus der Sahel-Sahara-Region zurückgezogen, aber ausschließlich zu dem Zweck, die französische Öffentlichkeit glauben zu machen, der Militäreinsatz sei vorüber. Denn in Frankreich ist man den Einsatz leid, der im Sand der Wüste hunderte von Millionen Euro verbrannt hat, ohne in Mail das Geringste zu ordnen.

Trotz einiger schweren Schläge, die die Franzosen gegen die Aufständischen geführt haben, sind die Djihadisten nach wie vor im Süden der Grenze von Algerien präsent, und die „Bewegung für Einheit und Djihad und Westafrika“ hat in der Region von Gao festen Fuß gefasst. Gao liegt im Zentrum von Mali und ist die Hauptstadt des von den Tuareg ausgerufenen Staates Azawad.

Die „Nationale Bewegung für die Befreiung von Azawad“ (MNLA) hat kürzlich in der Stadt Kidal im Nordosten von Mali von sich reden gemacht. Der malische Premier Moussa Mara unternahm es, die Stadt zu besuchen, nach zweieinhalb Jahren der erste Besuch eines hochrangigen Politikers. Das führte zu einer Entfesselung der Gewalt mit einigen Dutzend Toten. Wie grotesk die Lage dort und in ganz Mali ist, zeigt der Umstand, dass die MNLA die Stadt kontrolliert, doch dies mit Duldung der Franzosen und der UN, die eigentlich die MNLA und ihresgleichen bekämpfen sollten. Dieser Vorfall ließ die unterschwellige Wut der Malier auf die Franzosen offen ausbrechen. 

Das ist insofern verständlich, als eine französische Intervention im vergangenen November in Kidal einen Aufstand und die reine Anarchie ausgelöst hat. Seither ist es der regionalen Verwaltung nicht mehr gelungen, die Kontrolle wieder zu gewinnen. Deshalb waren auch die malischen Truppen außerstande, beim Besuch des Premiers für dessen Sicherheit zu sorgen.

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So wie die Dinge liegen, wird Frankreich sein Engagement im Rahmen von „Serval“ noch öfter verlängern müssen. Diese Bezeichnung ist überaus beziehungsreich. Der Serval nämlich, eine afrikanische Kleinkatze, hat die Gewohnheit, sein Revier regelmäßig zu markieren, um seinen Besitz-Anspruch zu betonen. Ein führender Politiker in Bamako wandte das gegenüber dem „Nouvel Observateur“ auf den Militäreinsatz an: „Die Franzosen haben überall hingepisst, sie werden sich nicht mehr zurückziehen.“

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