Seit 1992 gibt es ein Friedensabkommen zwischen der mosambikanischen Regierungspartei FRELIMO und der oppositionellen RENAMO. Doch diese Vereinbarung scheint nun hinfällig zu sein. Neue Kämpfe zwischen den beiden Kontrahenten beschwören die Gefahr herauf, dass der Bürgerkrieg, der 16 Jahre lang gedauert hatte, von neuem offen ausbricht.

Von Florian Stumfall

Im ostafrikanischen Mosambik gab es in den späten 1970ern und den 80ern das analoge Bild wie im westlichen Angola: Nach der Dekolonialisierung von Portugal brach in beiden Ländern ein blutiger Bürgerkrieg aus, der im Ost-West-Konflikt zusätzlich instrumentalisiert wurde. Beendet wurden die Kämpfe jeweils durch die Errichtung einer Einparteienherrschaft, in Mosambik der FRELIMO, die nach allgemein-afrikanischen Muster auf Dauer angelegt ist und für den Konkurrenten nur das Dasein nach Art des Frühstücksdirektors vorsieht.

Dieses fragile Bündnis ist nun hin. Angeblich hat die RENAMO begonnen und eine Militäreinheit angegriffen, in jedem Fall aber hat das Militär das RENAMO-Hauptquartier Sathundjira eingenommen. RENAMO-Chef Alfonso Dhlakama, der Chef schon während des Bürgerkrieges war, konnte mit etlichen Leuten fliehen. Inzwischen gibt es große Gefechte, mit rund hundert Toten täglich. Aus Zimbabwe und Angola sind Truppen eingetroffen.

Im Hintergrund steht ein Streit um Einfluss und Einkommen. Die RENAMO will bei der Wahlkommission mehr zu sagen haben und außerdem einen größeren Anteil an den Ressourcen, von denen die wichtigste – neben reichen Mineralienvorkommen aller Art – das Erdgas ist. Es wäre nicht zum ersten Mal, dass in Mosambik dafür Blut fließt.

Im Jahr 2003 wurden die reichen Gasfelder von Pande und Temane im südlichen Mosambik entdeckt. Man bildete zum Zweck der Ausbeutung eine Gesellschaft, an der Mosambik und Südafrika je ein Viertel, der südafrikanische Energiegigant SASOL aber die Hälfte kontrollierten. Doch alsbald meldeten sich Interessenten aus Europa und China, die auch an dem Gas-Geschäft interessiert waren. Da griff SASOL zu einem Mittel, sie abzuschrecken, das selbst für afrikanische Verhältnisse ein wenig hart war. Agenten des Konzerns und der südafrikanischen Regierung, damals unter dem Präsidenten Thabo Mbeki, zettelten, was in Afrika nicht sehr schwer ist, in Mosambik einen Bürgerkrieg zwischen zwei Völkern in der Gas-Region an, und das Interesse aus Übersee erlosch schlagartig.

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