Kriegsverbrechen: Die Bombardierung von Lugansk

Bereits bevor er zum ukrainischen Präsidenten gewählt wurde, hatte Poroschenko, der neue starke Mann in Kiew angekündigt, er werde das Problem Ostukraine sehr schnell in den Griff bekommen. Er ließ auch keinen Zweifel daran, dass für ihn militärische Gewalt das geeignete Mittel sei. Zumindest was das angeht, so  hat er sich an sein Wort gehalten.

Von Florian Stumfall

Die Bombardierung von Lugansk am 2. Juni scheint ein trauriger Höhepunkt in dem Krieg zu sein, den Kiew gegen die Bevölkerung im Osten des Landes führt. Es begann mit einer Meldung der Volkswehr. Sie berichtete von einem Angriff auf das Gebäude der Gebietsadministration, bei dem, wie ein Polizeisprecher später mitteilte, von der ukrainischen Luftwaffe rund 20 Luft-Boden-Raketen vom Typ S-8 des Kalibers 80 mm abgefeuert worden sind. Hier kamen acht Zivilisten ums Leben. Obwohl diese Details bekannt sind, macht sich die Regierung in Kiew die Sache einfach: die Explosionen hätten die Milizen selbst ausgelöst, heißt es dort. Allerdings beklagen die Milizen 13 tote Kameraden, die bei den Luftangriffen ums Leben gekommen sind, und das wird Kiew den Leidtragenden schwerlich anlasten können.

In gewisser Hinsicht stellt das Bombardement von Lugansk einen Wendepunkt dar. Am Tag darauf flüchteten 8300 ukrainische Bürger nach Russland. Wladimir Nikitin, der sogenannte Premier von Lugansk, stellt fest: „Vor dem Luftangriff gab es praktisch keine Flüchtlinge. Die Bevölkerung ist jetzt natürlich erschreckt. Viele reisen nach Russland aus. Nach dem Luftangriff gaben auch Klein- und Mittelstandsunternehmer diesem Druck nach. Viele Geschäfte und Apotheken sind geschlossen. Das verschlechtert natürlich die Wirtschaftslage.“ Allerdings suchen nicht alle das Heil in der Flucht. Die neue Bedrohung hat eine Welle der freiwilligen Mobilmachung ausgelöst, es gebe keinen Mangel an Männern, die der Volksmiliz beitreten möchten, so Nikitin.

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Derweil lehnt die US-Administration den Plan ab, die Angriffe des ukrainischen Militärs daraufhin zu untersuchen, ob es dabei zu Kriegsverbrechen gekommen sei. Man betrachte die Handlungen Kiews als legitim, sagte Marie Harf, Sprecherin des US-State Department. „Uns liegen keine glaubwürdigen Zeugnisse vor, die Verletzungen der Menschenrechte durch die ukrainische Regierung bestätigen würden.“

Doch es kann keinen Zweifel daran geben, dass es sich um ein Kriegsverbrechen handelt, wenn Bomben auf Zivilisten geworfen werden. Kann auch sein, dass die USA in zeitlicher Nähe zum D-Day Gedankenverbindungen zum Zweiten Weltkrieg vermeiden wollen. Vielleicht liegen ihnen keine glaubwürdigen Zeugnisse darüber vor, dass beispielsweise Dresden und Hiroshima bombardiert worden sind.

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