Im Kampf um ein Weltkalifat kennen die islamistischen Gruppen des "Islamischen Staates im Irak und Syrien" (ISIS) und deren Verbündeten kein Pardon. Doch wer glaubt, diese radikalen Gruppen – für die Allah eine Art Kriegsgott darstellt – wären lediglich ein regionales Problem, der irrt. Europa hat, bedingt durch die muslimische Bevölkerungsanteile, durchaus mit der Infiltration durch islamistische Gruppen zu rechnen.

Von Marco Maier

Der Islam ist infolge der Einwanderungspolitik der letzten Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des europäischen Religionsgefüges geworden. Beschränkte er sich früher vor allem auf den osmanisch besetzten Teil im Südosten, so gibt es heute kaum ein Land, welches nicht schon einen nennenswerten Anteil an Moslems hat. Für manche Menschen ist dies eine kulturelle Bereicherung, andere hingegen befürchten eine schleichende Islamisierung des ansonsten eher christlich geprägten Kontinents. Dabei darf man den Islam als Religion nicht mit dem Islamismus als Ideologie gleichsetzen.

Das Problem ist nämlich nicht der Islam selbst, und auch die Muslime als Menschen sollte man nicht als Gefahr sehen – wie beispielsweise ein Ausflug in die (trotz AKP-Regierung nach wie vor laizistisch geprägte) Türkei zeigt. Vielmehr muss man sich angesichts der wirtschaftlich nach wie vor tristen Lage in Europa darum sorgen, dass insbesondere desillusionierte Jugendliche in den Bann der Islamisten geraten und dadurch zu einer gesellschaftlichen Gefahr werden. Besonders anschaulich wird dies in Michael Leys Buch "Die kommende Revolte" dargelegt, der die Verfehlungen der Politik und der Meinungsmacher schonungslos aufzeigt.

In einem Kommentar bei der Deutschen Welle benennt zum Beispiel Dennis Stute weitere Risikofaktoren: "Dass die Gewalt an Europas Außengrenzen nicht Halt macht, ist spätestens klar, seit Ende Mai ein aus Syrien heimgekehrter Dschihad-Kämpfer einen tödlichen Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel verübte. Nach Angaben des Verfassungsschutzes sind allein aus Deutschland 320 Islamisten nach Syrien gegangen. Von den bislang 100 Rückkehrern soll mehr als ein Dutzend Kampferfahrung haben." Dies wird sicherlich nicht der letzte islamistische Anschlag sein. So berichtet die Frankfurter Allgemeine: "Die Bundespolizei hat nach F.A.Z.-Informationen einen Islamisten mit französischem Pass festgenommen, als er in Berlin einreisen wollte. Er hatte sich in Syrien der Terrorgruppe Isis angeschlossen. Auch zwei Deutsche Islamisten wurden vorübergehend festgesetzt."

Man sollte nicht vergessen, dass wir in Europa selbst schon Religionskriege – auch zur Missionierung – erleben mussten. Selbst heute noch kennen die Christen untereinander kein Pardon, wie Nordirland zeigt. Armut, tatsächliche oder vermeintliche Unterdrückung, fehlende Perspektiven und weitere solcher Faktoren sind der Nährboden für Fanatismus und Extremismus. Nicht umsonst schreibt der ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad vom "islamischen Faschismus", wenn er den Islamismus zu beschreiben versucht. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Friedenspreisträger Boualem Sansal, wenn er in Bezug auf die Islamisten von "Allahs Narren" spricht, welche die Welt zu erobern gedenken.

Die USA haben – inklusive der europäischen Unterstützer – mit ihrem vorgeblichen Rachefeldzug nach 9/11 mit Nordafrika und Vorderasien eine ganze Region destabilisiert und den radikalen Kräften jenen Vorschub geleistet, die nun nach Vergeltung dürsten und uns in einen totalen Überwachungs- und Polizeistaat lotsen. Aus Angst vor dem islamistischen Terror, den "wir" erst angefeuert haben, droht uns nun der Staatsterror, damit wir vor den Anschlägen fehlgeleiteter Menschen angeblich besser geschützt sind.

Doch ist es wirklich hilfreich, nun mit erneuten Militärschlägen im Irak auf die verblendeten und fehlgeleiteten Menschen einzudreschen, die den Namen des Islams für ihre Zwecke missbrauchen? Soll Feuer mit Feuer bekämpft werden? Klüger wäre es doch, den Hasspredigern den Nährboden zu entziehen, indem jene Länder die für dieses Chaos verantwortlich sind, nun endlich einmal auch die Verantwortung für ihre Taten übernehmen und sich nicht nur bei den Hinterbliebenen der unzähligen Todesopfer, sowie den noch lebenden Betroffenen zu entschuldigen, sondern neben den Worten auch Taten folgen zu lassen.

Nicht nur die Staaten selbst, sondern vor allem die Rüstungsindustrie – welche enorm von den Kriegen profitierte, und die sicher nicht ganz unschuldig in Sachen Kriegslobbyismus ist – müssen ihren finanziellen Beitrag zum Wiederaufbau leisten. Für jedes verkaufte Kriegsgerät amerikanischer und europäischer Unternehmen wären rückwirkend bis zum Jahr 2000 ganze 20 Prozent Steuern angemessen. Ebenso ist eine künftige "Wiedergutmachungssteuer" von 100 Prozent des Verkaufspreises für jegliche Art von in einem UNO-Mitgliedsland produzierten Kriegsgerät angemessen, dessen Erlös in einen von der UNO (oder sonst einer internationalen Organisation) verwalteten Fonds fließt, um damit in allen von Kriegen betroffenen Ländern und Regionen Hilfe zu leisten.

Krieg muss so teuer werden, dass es sich nicht mehr lohnt ihn zu führen. Sonst nämlich werden wir in absehbarer Zeit erleben, wie in immer mehr Gegenden dieser Welt Organisationen wie die ISIS zu einer ständigen Bedrohung werden. Nicht nur im Nahen Osten, sondern auch bei uns in Europa und in den USA. Zu spüren bekommen werden dies jedoch auch jene vielen Millionen Muslime, die mit diesem Gedankengut nichts zu tun haben.

4 KOMMENTARE

  1. Wenn man das staatliche Geldmonopol abschafft gibt es auch keine Kriege mehr. Denn niemand nutzt Geld das man beliebig vermehren kann um ewigen Krieg und Terror zu finanzieren.

      • Doch, er hat es nicht verstanden. Privatleute, mit Ausnahmen weniger Profiteute, sind an diesen Kriegen nicht interessiert. Nur Staaten mit Fiat Money können diese Kriege führen. Warum wurde wohl die Goldwährung 1914 abgeschafft? Weil mit einer soliden Währung nur sehr begrenzte Militäraktionen finanzierbar sind.

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