Bild: FIFA

Wieso sollten die Deutschen nicht stolz auf einen so hohen Sieg gegen die hochgelobten Portugiesen sein? Was kann die deutsche Mannschaft dafür, wenn der Schiedsrichter schlecht pfeift und Fehler macht? Nun ja, wenn die FIFA das Fair-Play so schätzt, dann sollte sie ihre Schiedsrichter besser auswählen und simulieren von Elfmetern oder das sich das Gesicht halten und schreien als wäre man geschlagen worden gnadenlos ahnden. Selbst nach dem Schlusspfiff.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Eines vorweg: Portugal hat das Spiel nicht wegen dem Schiedsrichter verloren. Auch wenn einige meiner Freunde das nicht hören wollen, aber Deutschland war spielerisch überlegen. Ronaldo wurde die meiste Zeit über in Schach gehalten und ist gegen Ende des Spiels in alte Gewohnheiten verfallen. Er erinnerte mich an seine unreife Anfangszeit bei Sporting Lissabon und Manchester United, als er das eine um das andere Mal versuchte im Alleingang die deutsche Abwehr zu überwinden.

Seine Kameraden sind aber nicht ganz unschuldig daran, da sie das Spiel völlig auf ihn konzentrierten und ständig ihn suchten. Nani ist nie so recht ins Spiel gekommen und hat auch vergessen, dass er nicht alleine auf den Platz steht. Doch Rui Patricio musste die meiste Kritik über sich ergehen lassen. Seine Fehler haben das Team kompromittiert und vor allem beim 4:0 muss er sich nur selbst die Schuld geben. Auch Paulo Bento muss sich die Frage gefallen lassen, warum nicht Beto oder Eduardo im Tor standen. Doch hinterher ist man immer schlauer.

Dies bringt mich zu Pepe. So sehr er auch provoziert wurde und so sehr man auch diskutieren kann ob Rot die richtige Farbe für seine Reaktion war, bzw. ob die Kriterien des Schiedsrichters für beide Teams die Gleichen waren, ist es für einen so erfahrenen Profi wie ihn unverzeihlich so zu reagieren. Die gesamte portugiesische Mannschaft war unkonzentriert und mehr damit beschäftigt, die Entscheidungen von Schieds- und Linienrichtern zu diskutieren, anstatt Fußball zu spielen.

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Doch hätte es auch anders laufen können. Die ersten 10 Minuten des Spiels waren interessant und den Fans, die es rechtzeitig ins Stadion geschafft hatten, bekamen guten Fußball geboten. Leider sind nicht alle zahlenden Zuschauer rechtzeitig ins Stadion gekommen, was aber ein anderes Mal eine Reflektion verdient. Portugal hatte sogar die größeren Spielanteile. Die beste Torchance hatte Ronaldo in der 7‘, auf die Manuel Neuer mit einer hervorragenden Parade antwortete. Rui Patricio andererseits hätte den Deutschen direkt im Anschluss daran beinahe die Führung geschenkt. Er spielte den Ball direkt auf Khedira, doch dieser verfehlte das leere Tor um wenige Zentimeter.

Dann kam die erste umstrittene Entscheidung vom Unparteiischen und das Spiel war nicht mehr das Fest, die große Partie zwischen dem Dritten und dem Vierten der Weltrangliste, sondern nur noch ein Theater von Diskussionen, kleine Sticheleien und Provokationen – und ab und an bekamen die Zuschauer sogar noch etwas Fußball zu sehen. Meistens von der deutschen Mannschaft.

Die portugiesischen Spieler aber, waren völlig durch den Wind. Jede Fehlentscheidung löste Proteststürme aus, wie bei einem nicht geahndeten Foul gegen Hugo Almeida. Der Stürmer von Besiktas Istambul zog sich eine Verletzung zu, die ihn mindestens für die nächsten zwei Spiele auf die Tribüne verbannt. Pepe wird ihm, aufgrund der Roten Karte, beim nächsten Spiel – gegen die USA – Gesellschaft leisten. Auch Rui Patricio wird wohl ein oder zwei Spiele aussetzen, was einige Fans, nach seiner desaströsen Vorstellung im Auftaktspiel nicht im geringsten beunruhigt.
Doch damit nicht genug. Fabio Coentrão hat sich der 65‘ einen Oberschenkel gezerrt und wurde mit sehr starken Schmerzen vom Platz getragen. Während für die Seleção alles schief lief, was schief laufen konnte, spielten die Deutschen Fußball.

Doch noch einmal zurück zur Polemik, schließlich sind wir das „Contra-Magazin“. Die FIFA muss sich zu diesem Spiel schon die Frage gefallen lassen, ob sie den richtigen Schiedsrichter für ein so wichtiges Spiel ausgesucht hat. Böse Zungen sagen sogar, dass Milorad Masic als „den Deutschen wohlgesonnen“ ausgesucht wurde. Doch das werden wohl nur paranoide Verschwörungstheoretiker sein, da nicht sehr viel darauf hinweist, dass die Männer in schwarz etwas anderes als inkompetent waren.

Doch war die Leistung der Unparteiischen nicht nur schwach, sondern hat auch in Sachen Disziplin zu wünschen übrig gelassen.  Um so mehr die Portugiesen reklamierten, desto mehr wurde die Tendenz von Milorad Masic bei strittigen Fragen für die Deutschen zu entscheiden, vertieft. Doch müsste ein Schiedsrichter auf diesem Niveau nicht über diesen Dingen stehen? Zum Verhalten der Deutschen  kann man sich auch fragen, ob es wirklich sein muss, dass „gewinnen um jeden Preis“ wichtiger ist als Moral oder die Ethik des Sports.

Was ist bloß aus Fair-Play und Werten wie Sportsgeist geworden? Sollte der Fußball nicht als Beispiel für unsere Jugend dienen? Aber das Verhalten der Nationalelf hatte wohl wenig Beispielhaftes. Nun kann man argumentieren, dass Masic beim Elfmeter in die Irre geführt wurde und tatsächlich nicht sah, dass beide Spieler gezogen und gehalten haben und als Götze fiel, João Pereira längst losgelassen hatte. Die Intensität des Kontaktes hat Masic wohl auch falsch eingeschätzt, da es kaum zu so einem Sturz führen könnte.

In der zweiten Halbzeit, andererseits, wurde Éder im Strafraum der Deutschen gefoult und bekam dafür keinen Elfmeter, obwohl dieses Foul, im Gegensatz zum Foul von João Pereira an Götze, viel eindeutiger war. Nun hat die FIFA die rote Karte von Pepe in Augenschein genommen und hat den Bericht von Masic, in diesem Punkt, nicht beachtet, sondern auf Grundlage der TV-Bilder entschieden und den Verteidiger von Real Madrid für nur ein Spiel gesperrt.

Im Gegensatz zu Masic hat die FIFA keine Aggression gesehen, sondern „nur“ eine Unsportlichkeit, bei der er eigentlich die Gelbe Karte verdient gehabt hätte. Doch das Verhalten von Müller wurde weder im Referee-Report, noch von der FIFA erwähnt. Die Regeln des Spiels behandeln das Thema Simulation auch nur sehr oberflächlich. Es ist ja auch nicht einfach zu sehen, was echt ist und was eine gute Schauspielerleistung. Daher ist es umso wichtiger, dass die Spieler, von ihrer Jugendzeit an lernen, dass ein Sieg um jeden Preis sich einfach nicht gut anfühlt.

Wie bereits gesagt, hat Deutschland verdient gewonnen, doch es bleibt ein fader Nachgeschmack, bei allen Fans die Fair-Play und moralische Werte dem Sieg um jedem Preis vorziehen. Erst recht, wenn man das – wie Deutschland – nicht nötig hat!

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