Chinas Energiewirtschaft am Wendepunkt

Die deutsche Außenhandelskammer in Peking ist zuversichtlich. „Die Rekonstruierung der chinesischen Wirtschaft“, so sagt einer ihrer Offiziellen, „wird eine neue Ära der deutschen Direktinvestitionen in China einleiten. Automatisierung, Digitalisierung, Umwelttechnologien und neue Energien stehen dabei im Zentrum des Interesses.“ Die Kammer ermittelte bei einer Umfrage zum Geschäftsklima „robuste Ergebnisse“, trotz der wirtschaftlichen Delle im Reich der Mitte.

Von Florian Stumfall

Was im speziellen die Umwelttechnologien und den Energiesektor angeht, so kommt diesen Bereichen eine Initiative des Staatspräsidenten Xi Jinping entgegen. Er hat vor einigen Tagen eine „chinesische Energie-Revolution“ ausgerufen. Xi bekundete die Absicht, die Produktion von Energie zu beschleunigen, dabei auf Diversifikation zu setzen – was eine Ergänzung der bisherigen Kohle-Verstromung bedeutet – und bei allem die Energieeffizienz zu erhöhen. „Jetzt muss die Revolution bei der Energieproduktion und Energieeffizienz geplant werden“, forderte Xi vor der Zentralen Führungs- und Reformgruppe des Staatsrates, dessen Experten dem Staatspräsidenten pflichtschuldigst zustimmten.

Um die Abhängigkeit von der Kohle zu mindern, wird China entlang seiner Ostküste eine Reihe von Kernkraftwerken errichten, die den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen sollen. Es wird angenommen, dass die Regierung dabei auch für Privatunternehmen den Weg auf den chinesischen Energiemarkt freimachen wird. Lin Boqiang, Direktor des Zentrums für Energiewirtschafts-Forschung an der Xiamen-Universität, unterstützte die Rede des Staatspräsidenten.

In einer Zeit, so argumentierte er, in der die USA durch ihre Fracking-Technologie ihre Energie-Importe zurückfahren könnten, müsse China seine Gas- und Öl-Einfuhren ausweiten. Deshalb sei es höchste Zeit, eine Initiative zu starten. Nach den Worten von Lothar Herrmann von der deutschen  Handelskammer passen Struktur und Wissensbasis der deutschen Industrie "sehr, sehr gut zur Reformagenda Chinas für die nächsten Jahre“.

Die notwendige Einfuhr von Mineral-Brennstoffen ist nicht nur dem Staatspräsidenten umso mehr ein Dorn im Auge, als das Land eigentlich selbst über große Vorkommen verfügt. Woran es hapert, ist die Förderung. Han Xiaoping von China Energy Net Consulting, bestätigt die umfangreichen Vorräte, „doch“ schränkte er ein, „deren Förderung läuft nicht gut, da der Markt von einigen großen Staatsunternehmen dominiert wird und es somit ein Oligopol gibt“. Eine Lösung des Problems erhofft er sich durch mehr Wettbewerb, der die Energiewirtschaft von den „Ketten der Lobby- und Interessengruppen“ befreien könne.

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