Cristiano Ronaldo, der Superstar der portugiesischen Elf. Bild: Flickr / calciostreaming CC BY 2.0

Am 16. Juni findet in Salvador da Baía das erste Spiel der Gruppe G zwischen Deutschland und Portugal statt. Damit treffen sich die beiden Favoriten dieser Gruppe gleich im erstem Spiel. Wer dieses Spiel gewinnt steht mit einem Bein im Achtelfinale, während das unterlegene Team sich keine Fehler mehr erlauben darf. Bei einem Unentschieden freuen sich Ghana und die USA, die beiden anderen Teams der Gruppe G.

Von Rui Filipe Gutschmidt

In wenigen Tagen ist es so weit: Die WM kommt in das fußballverrückte Brasilien – und keine Demos, Bürgerkriegszustände in den Favelas, oder Wetterkapriolen in dem tropischem Land; weder Denge-Fieber, Malaria oder andere Tropenkrankheiten können die Fans aus aller Welt davon abhalten ihr alle 4 Jahre stattfindendes Fußballfest zu feiern. Wie uns die Erfahrungen der letzten großen Turniere zeigen, kommen Fans aus aller Welt zusammen, um friedlich ihren bevorzugten Sport zu feiern. Völkerverständigung, Fairplay, das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen im Sinne von Sportsgeist und dem friedlichem Wettbewerb, ist was sich die meisten Besucher dieser WM wünschen.

Die schwarzen Schafe, wie korrupte Sportfunktionäre bei FIFA, UEFA oder welcher Organisation auch immer, schaden dem Sport nur. Nun wäre es naiv zu denken, dass es nicht vorwiegend ums Geschäft geht. Doch könnte der Fußball, sowie auch andere Profisportarten, aufgrund seiner besonderen Stellung, der korrupten Geschäftswelt als Vorbild dienen.

Aber haben wir nicht genug Stress in unserem Alltag? Müssen wir uns wirklich ständig über diese Leute aufregen, die sich auf kosten unserer Arbeit bereichern und den Hals einfach nicht voll genug kriegen? Dürfen nur diese Leute in den Urlaub, sich amüsieren und von dem ewigen Kämpfen des Lebens eine Auszeit nehmen? Nein, natürlich nicht!

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Wenn die deutsche und die portugiesische Nationalmannschaft in ihrem ersten Gruppenspiel aufeinandertreffen, dann werden nicht nur „Mutti Merkel“ und ihr „Schoßhäschen“ Passos Coelho im Stadion sitzen. Der ganz normale Fan, der natürlich etwas verrückter sein muss und wohl monatelang auf jeden Luxus verzichtete um direkt vor Ort sein zu können, wird auch das Spiel live sehen. Für die meisten Fans jedoch bedeutet live hingegen live im TV – und aufgrund der Zeitverschiebung sehen manche Fans nur die Zusammenfassung der Spiele.

Dennoch steigt die Vorfreude bei den wahren Fans und bereits im Vorfeld reden sie nur noch über Dinge wie „wird Ronaldo fit sein?“ oder sollte dieser oder jener Spieler mit nach Brasilien oder nicht. Da die Leser im deutschsprachigem Raum die tägliche Pressekonferenz aus dem Trainingslager der Nationalmannschaft haben, werde ich ihnen etwas über Portugals „Seleção“ erzählen.

Die Männer die der portugiesische Nationaltrainer Paulo Bento mitnimmt sind allesamt Profis die auf höchstem Niveau spielen. Real Madrid, Manchester United, Zenit Sankt Petersburg oder Valencia, sind einige Vereine, bei denen sie unter Vertrag stehen. Nicht dass es keine Spieler gäbe, die in Portugal ihre Brötchen verdienen: Varela, vom F.C. Porto oder Rúben Amorim, von Benfica Lissabon, sind schon „alte Hasen“ in Sachen WM oder EM. Neue Talente, wie William Carvalho (Sporting Lissabon), Andre Almeida (Benfica) und Rafa (Sporting Braga), sind auch mit von der Partie. Sporting Braga hat mit Eduardo, Éder und Rafa, drei Spieler im Kader. Genau so viel wie Real Madrid.

Im Vorfeld jeder WM bemühen sich die Trainer, zusammen mit ihrem Stab, die kurze Zeit die ihnen zwischen der Vereinssaison und dem Auftaktspiel der WM bleibt, zu nutzen. Da von den Profis immer mehr verlangt wird, hat der physische Aspekt, die Erholung von den Strapazen langer und harter Wettbewerbe, Vorrang.

Und dann ist da natürlich die „Klinik“. Die Abteilung der Verletzungen der Spieler, die in Rekordzeit heilen, und die Spieler die für die WM fit gemacht werden müssen, selbst wenn die Karriere danach unter Umständen vorbei ist. Bei manchen Spielern bricht eine Welt zusammen, wenn sie erfahren, dass sie nicht dabei sein können. Bayerns Frank Ribery ist ein typisches Beispiel dafür. Auch Marco Reus hat sich noch im letztem Testspiel der Deutschen, beim 6:1 gegen Armenien, eine Verletzung zugezogen, die seine Beteiligung bei der WM eventuell noch verhindert.

Aber in Sachen Verletzungen, gibt es eine, die alle Sorgen der Anderen in den Schatten stellt. Nicht nur die Portugiesen bangen um den Gesundheitszustand von Cristiano Ronaldo. Jeder der gerne guten Fußball sieht – mit Ausnahme der Deutschen, US-Amerikaner und Ghanaer – erhofft sich einen CR7 in Bestform. Nun ja, in Ghana gibt es einen „Hexer“ (Der Donnerstagsteufel), der behauptet Ronaldo verflucht zu haben. Aber egal ob Flüche oder einfach nur Psychospielchen (oder wie Mourinho sagen würde, „Mindgames“), wenn die Teams auf den Platz laufen gibt es nur noch Eines: das Runde muss ins Eckige!

Da Ronaldo und übrigens auch Raúl Meireles wieder voll mittrainieren, bleibt nur noch Ronaldos Vereinskollege Pepe, der aber wohl auch bis zum Auftaktspiel wieder platzreif sein wird. Ob das ganze nur ein Bluff ist und die Schlüsselspieler geschont werden sollen, oder ob Raúl Meireles, Pepe, Beto und Ronaldo wirklich verletzt sind, wissen wohl nur die Mediziner der Seleção. Fakt ist, dass bei den Testspielen gegen Griechenland und Mexico diese Stammspieler nicht verwendete wurden. Paulo Bento hat verschiedene Alternativen ausprobiert und jungen Talenten wie André Almeida oder Rafa eine Gelegenheit gegeben, sich zu empfehlen.

In der Abwehr hat Luís Neto (Zenit St. Petersburg) mit seinem früheren Vereinskameraden Bruno Alves (jetzt Fenerbahçe Istambul) ein eingespieltes Duo gebildet. André Almeida wurde gegen Griechenland als linker Verteidiger getestet als Fabio Coentrão nach dem Champions League Finale geschont wurde. Aber auch gegen Mexico, als Paulo Bento Coentrão ins Mittelfeld verlegte. Der Linksverteidiger von Real Madrid fühlte sich auf dieser Position verloren und wird wohl kaum in dieser Position spielen. Sporting Lissabon hat eine unerwartet gute Saison gespielt, nicht zuletzt aufgrund der jungen Talente aus ihrer „Academia“.

Seit 2012/2013 spielen die B-Mannschaften von 6 großen Vereinen in der 2. Liga. Dadurch haben die jungen Spieler von F.C. Porto, Benfica und Sporting Lissabon, Sporting Braga und zwei weiteren Klubs die Chance, in einer Profi-Liga zu spielen, ohne dabei den Verein wechseln zu müssen. William Carvalho ist nur ein Beispiel für diese gelungene Nachwuchsarbeit. Rafa von Sporting Braga ist ein weiterer Rohdiamant der letztes Jahr in der 2. Liga spielte, wo er für Feirense 10 Tore schoss. Diese Spielzeit ging er für Braga auf Torjagd, wobei er als Stürmer oder als klassischer Zehner hinter dem Sturm eingesetzt werden kann. Aber einen Ronaldo kann keiner von ihnen ersetzen.

Gegen die Griechen und gegen Mexiko hat die Abwehr, vor allem aber die Torhüter Beto und Eduardo, eine gute Figur gemacht. Beto, der Torwart vom Europa-Liga-Gewinner Valencia C.F. hat sich eine leichte Verletzung zugezogen. Doch wer denkt, Eduardo – nach seinen Abenteuern bei Genua, Benfica und Istambul BB wieder zurück in Braga – sei nur der dritte Mann im Tor, der hat die Rechnung ohne ihn gemacht. Vor allem beim 1:0 Sieg gegen Mexico hat er gezeigt, warum er in die Nationalmannschaft berufen wurde. Auch wenn sich so mancher fragt, was mit Rui Patricio ist und warum er in den Testspielen nicht im Tor stand, so haben die Portugiesen wohl keine Sorgen was ihr Tor betrifft.

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Die Außenverteidiger sind da wohl eher ein Problem. João Perreira (Valencia) ist kein Star wie sein Kollege auf der linken Seite. Doch Fabio Coentrão hat mit Real Madrid eine lange, harte Spielzeit hinter sich und es wird darauf ankommen, in wie weit er, wie die meisten seiner Kameraden, sich erholen kann und wieder fit ist, wenn der Schiedsrichter das Spiel gegen Deutschland anpfeift.

Das Mittelfeld ist pures Gold. Mit Spielern wie João Moutinho (A.S. Monaco) Raúl Meirelles (Fenerbahçe Istanbul) und auf der 6, Miguel Veloso (Dinamo Kiev) hat Portugal ein Luxusmittelfeld zur Verfügung. Die Testspiele haben gezeigt, dass auf der Bank noch einige Talente sitzen werden, die jederzeit eingewechselt werden können und ihren berühmten Kollegen in nichts nachstehen.

Dann bleibt noch der Sturm. Paulo Bento bevorzugt eine 4-3-3 Taktik, in der die beiden außen mit Diagonalen nach innen flektieren und durch ihre hervorragende Technik in der gegnerischen Abwehr für Panik sorgen. Nun dürften Namen wie Nani (Manchester United) Varela (F.C. Porto) oder Hugo Almeida, lange Zeit bei Werder Bremen und jetzt bei Besiktas Istambul, den meisten Fußballfans ein Begriff sein.

Helder Postiga, Lazio Rom, wurde auch geschont. Doch habe ich eher das Gefühl, dass Paulo Bento dem Stürmer von Sporting Braga zusätzliche Spielzeit im Dress der Nationalelf geben wollte. Zu Cristiano Ronaldo gibt es nicht viel zu sagen. Es gibt keinen Ersatz für den besten Spieler der Welt. Auch wenn dieser Titel immer relativ ist, so ist ein Spieler wie er oft der Garant für jene Tore, die den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage bedeuten können.

Mit anderen Worten ist Portugal ohne Ronaldo nicht gleich chancenlos, aber genausowenig ist das Team mit Ronaldo nicht gleich unbesiegbar. Meiner Meinung nach, werden die Portugiesen in Topform sein, wenn sie am 16. Juni in Salvador da Baía auf Deutschland treffen. Ich hoffe natürlich auf ein großartiges Fußballspiel zwischen zwei Teams die zum größeren Favoritenkreis gehören. Halbfinalisten bei der letzten EM, in dessen Auftaktspiel die Mannen von Joachim Löw die Portugiesen mit 1:0 besiegten, haben beide Teams gezeigt, dass sie Turniermanschaften sind. Daher die Vorfreude auf dieses Match und als Sohn einer deutschen Mutter und eines portugiesischen Vaters, sind diese Spiele für mich persönlich immer etwas ganz Besonderes. Möge der Bessere gewinnen.

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