Russland und China: Milliarden-Geschäfte statt Sanktionen

Eine große Wirtschafts-Delegation, bestehend aus Vertretern von 46 Unternehmen, hat Russlands Präsident Putin zu seiner China-Reise eingeladen. An der Spitze finden sich Energie-Konzerne wie Gazprom, Rosneft und NOVATEK. Dazu kommen Unternehmen aus den Branchen Raumfahrt und Rüstung sowie weitere, die für die Entwicklung des Fernen Ostens Russlands entscheidend sind. In allen diesen Bereichen ist eine verstärkte Zusammenarbeit mit China geplant, die Reise dient dazu, konkrete Vereinbarungen zu treffen.

Von Florian Stumfall

Im Mittelpunkt steht der russische Plan, zwischen Gazprom und dem chinesischen Energie-Konzern CNPC ein Abkommen  über die Lieferung von jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Gas zu unterzeichnen. Die Laufzeit soll 30 Jahre betragen. Die Verhandlungen hierüber laufen schon mehrere Jahre, und von offizieller Seite wird angedeutet, dass die derzeitigen Spannungen zwischen Russland und dem Westen das russisch-chinesische Vorhaben begünstigen. Gazprom-Chef Alexej Miller erwartet, dass die Gas-Lieferungen nach China bald den Umfang derjenigen nach Europa annehmen.

Was allerdings politisch noch weit mehr ins Gewicht fällt ist die Absicht, diesen Gas-Handel nicht mehr auf Dollar-Basis abzuwickeln. Schon Ende April hatte die russische Regierung ein Treffen von Experten aus dem Energiesektor, der Banken und der Verwaltung einberufen, die eine Anzahl von Maßnahmen erörterten, wie man die Abkehr vom Dollar bewerkstelligen könne. Den Vorsitz dieses Treffens hatte Vizepremier Igor Schugalow geführt.

In China hat Russland einen festen Partner nicht nur, was das Gas-Geschäft und die Entwicklung des Fernen Ostens angeht, sondern auch im Hinblick auf die Strategie gegen den Dollar. Peking hat den Westen bereits davor gewarnt, gegen Russland weitere Sanktionen zu verhängen, das dies Moskau zu Vergeltungsmaßnahmen zwinge. Dies könne eine Spirale unvorhergesehener Konsequenzen auslösen und einen massiven politischen und wirtschaftlichen Schaden anrichten. Es könne das Ende des US-Dollar und des US-Imperiums einleiten.

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Von der erweiterten Zusammenarbeit mit China erwartet sich Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew große Impulse. Bis 2020, so nimmt er an, könnten sich die chinesischen Investitionen in Russland auf 30 Milliarden Dollar versiebenfachen. „Im Fernen Osten freut man sich auf chinesische Investitionen“, so der Minister. Dabei ist der wechselseitige Handelsumsatz bereits in der vergangenen Dekade um fast das sechsfache gestiegen. Bis 2025 erwartet Peking eine schrittweise Öffnung der Grenzen und die Bildung eines Freihandelsraumes.

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Neben dem großen Gas-Geschäft erwarten die russischen Gäste die Unterzeichnung von weiteren 40 Abkommen. Das wäre ein neuer Rekord für bilaterale Treffen.

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2 Kommentare

  1. Also ich bin mir nicht sicher, aber kann es sein, dass wir tatsächlich vor dem Beginn einer Wandlung globalen Ausmaßes stehen?

    1. Das kann man nur hoffen! Es wird endlich Zeit, dass das US-Hegemoniestreben einen herben Dämpfer bekommt. Der US Allmachtsanspruch und ihre Arroganz, die amerikanische Agressionspolitik weltweit, die Nichteinhaltung von Menschenrechten, auf Lügen basierende Angriffskriege gegen von vornherein unterlegene Gegner und fortdauernde Kriegsverbrechen in vielen Teilen der Welt per Tötung vieler Unschuldiger durch Drohnen, Unruhestiftung in ganz Nordafrika und nun sogar auch in der Ukraine (vor Moskaus "Haustür" – eine ÜBERAUS gefährliche Frechheit!), militärische Rüstung in absolut astronomischer Höhe, durch Profitgier verursachter Hunger weltweit, Nichteinhaltung einfachster ökonomischer und vor allem ökologischer Regeln(!) – das alles zeigt doch zur Genüge, wie Verantwortungs- und Skrupellos diese kleine Führungsclique ist, die die Politik, Wirtschaft und gesamte Ideologie der USA bestimmt!

      Um eins ganz klar zu sagen: das amerikanische Volk hat meine Sympathie und ich wünsche den "einfachen" Menschen in den USA absolut nichts Schlimmes. Denn Schlimmeres als das, was sie bereits haben, kann es gar nicht geben! Es wäre gut, wenn die bereits bestehenden überaus administrations-kritischen Organisationen in den USA einen Durchbruch erreichen und die überwiegende Mehrheit des Volkes auf ihre Seite bringen könnten, um diesem elenden Spuk sozusagen "innerstaatlich" eine Ende zu bereiten. Allein – mir fehlt der Glaube!

      Deswegen habe ich nach wie vor die große Hoffnung, dass Staaten wie Russland, China, Indien, ein großer Teil Afrikas und ganz Südamerika ihre Differenzen mal beiseite legen und eine möglichst geschlossene Front gegen die oben genannte Clique bilden, die LEIDER immer noch die große wirtschaftliche, militärische und finanzielle Macht der USA unter sich vereinen.

      Und Lakaienstaaten wie in ganz Westeuropa sollten ERNSTHAFT darüber nachdenken, endlich die Kurve zu kriegen und nicht weiter aufs falsche Pferd zu setzen!

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