Putin in China – Der Gas-Deal ist durch

Bei den Immobilien-Maklern gibt es eine klassische Frage: „Wollen Sie verkaufen oder müssen sie verkaufen?“ Danach richtet sich der Preis. Beim Gas-Geschäft ist das nicht anders. Daher hat es ein Weilchen gedauert, bis die Vereinbarung zwischen Russland und China zustande gekommen ist. Dass das Gefeilsche schon zehn Jahre anhielt zeigt, was für harte Hunde die Chinesen beim Handeln sind. Jetzt ist man sich in Shanghai im letzten Moment einig geworden.

Von Florian Stumfall

Putin ChinaBereits im Vorfeld des Putin-Besuches war eines klar: Das aggressive Verhalten der USA wie auch Europas gegenüber Russland bringt Moskau und Peking näher zusammen. Deshalb war auch damit gerechnet worden, dass der große Gas-Handel endlich unter Dach und Fach kommt: auf 30 Jahre jährlich 38 Milliarden Kubikmeter. China wollte grundsätzlich einen geringeren Preis als die EU, wo für tausend Kubikmeter 350 bis 370 Dollar gezahlt werden.

Dabei waren  die Argumente gar nicht so ungleich verteilt: Zwar sucht Russland neue Absatzmärkte für seine Energiewirtschaft, und da bietet sich China an, um nicht zu sagen, es drängt sich auf. Andererseits braucht das Reich der Mitte Gas und Öl in einem Umfang, den nur Russland aufbringen kann. In dieser Situation kommt es eben darauf an, wer den längeren Atem hat, daher dauerte es so lange.

Auch vom Gas-Deal abgesehen war die Reise Putins kein Schneidergang. Der eigentliche Erfolg liegt jedoch weniger in dem Warenkorb der ausgehandelten und unterschriebenen 50  Abkommen, sondern im Verfahren. Dieses wurde in einem gemeinsamen Statement über die Entwicklung der Beziehungen dargelegt. Kernpunkt ist: Die beiden Länder wollen im Rahmen ihres gemeinsamen Handels „die Vereinbarungen für lokale Währungen ausweiten“. Das heißt in schnöder Kürze: Rubel und Yuan statt Dollar. Damit lässt man nicht nur die USA ins Leere laufen, sondern verspricht sich auch Vorteile bei grenzüberschreitenden Investitionen und Bankgeschäften.

Die Chinesen haben einen ausgeprägten Sinn für diplomatische Feinheiten. Daher ist ein Kommentar der Nachrichtenagentur Xinhua zum Putin-Besuch auch als Botschaft an das Weiße Haus zu verstehen: Die häufigen Treffen auf höchster Ebene – Putin und Staatspräsident Xi Jinping (siehe Bild oben) treffen einander bereits das siebente Mal – unterstrichen „die sich festigenden freundschaftlichen Beziehungen“ zwischen Peking und Moskau. Zwischen den beiden Staatsmännern gebe es zudem eine „tiefe Freundschaft“. Sie sei das Fundament für die Entwicklung der chinesisch-russischen Beziehungen.

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Was nun das Gas angeht, so sagte Gazprom-Chef Alexej Miller, indem er auf den Umfang des Geschäfts Bezug nahm: „Wir haben mit keinem anderen Partner eine solche Vereinbarung.“ Über Details will er nichts sagen, doch dürfte sich der Gesamtumfang auf 400 Milliarden Dollar belaufen. Damit kommt man auf einen Gas-Preis von 350 Dollar.

Der Gesamtwert der unterzeichneten Abkommen ist noch gar nicht ausgerechnet. Wesentlich dabei ist, dass es sich um zukunftsweisende Projekte handelt: Finanzen, Energie, Infrastruktur und Hochtechnologie. Russlands Handelsvolumen mit China dürfte dasjenige mit der EU in absehbarer Zeit übertreffen. Alexander Lukin, Vizerektor der russischen Akademie für Auslandsdiplomatie sagt: „Je mehr Sanktionen die EU verhängt, desto enger wird sich Russland an Asien anschließen, insbesondere an China.“

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