Nicaraguakanal: Chinas und Russlands Konkurrenz zum US-kontrollierten Panamakanal

Die Volksrepublik China ist schon fix im Projekt "Nicaraguakanal" drin, nun will sich auch Russland am Bau des Panamaknal-Konkurrenten beteiligen. Für die USA, die nach wie vor Schutzmacht des Panamakanals sind und enge Beziehungen zu dem mittelamerikanischen Land haben, ist dies ein weiterer Tiefschlag.

Von Marco Maier

Mit dem Bau der rund 200 Kilometer langen Wasserstraße zwischen Pazifik und Atlantik erhält Panama einen gewichtigen Konkurrenten im internationalen Seeverkehr. Immerhin erwirtschaftet der Kanal mit rund 9.000 Beschäftigten rund 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Panama und sorgt damit auch für sprudelnde Deviseneinnahmen. Diese könnten jedoch teilweise wegbrechen, wenn der Kanal durch Nicaragua fertiggestellt wird.

Das in Hong Kong beheimatete Konsortium "HK Nicaragua Canal Development Investment Co. Limited" des chinesischen Telekom-Magnaten Wang Jing finanziert den 40 Milliarden Dollar teuren Wasserweg, zu dem auch Infrastruktureinheiten wie eine Eisenbahnlinie, eine Ölpipeline und zwei Flughäfen gehören. Dafür erhält das Konsortium für 50 Jahre die Betreiberrechte am Kanal, der in dem armen mittelamerikanischen Land für tausende Arbeitsplätze sorgen wird.

Inzwischen hat auch Russland Interesse daran bekundet, an diesem Projekt mitzuwirken. Vize-Außenminister Sergej Rjabkow gab das Interesse an der Mitwirkung Russlands am Bau des Nicaraguakanals bekannt. “Wir diskutieren mit unseren nicaraguanischen Kollegen, auf welche Art und Weise wir in diesem Projekt kooperieren können”, so Rjabkow. Schon vor 2 Jahren bekundete Russland sein Interesse für den Nicaraguakanal, zumal jener in Panama trotz des geplanten Ausbaus eine zu geringe Kapazität aufweist.

Mit Infrastrukturprojekten wie diesem, so das geostrategische Kalkül Chinas und Russlands, können zudem die freundschaftlichen Beziehungen zu den lateinamerikanischen Ländern vertieft werden. Für die Länder Mittel- und Südamerikas ist das größere Engagement der beiden Staaten zudem eine Möglichkeit, sich von den ökonomischen und finanziellen Fesseln der USA zu lösen, und die Diversifizierung des Außenhandels voranzutreiben.

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3 Kommentare

  1. Kritik (Quelle: Wikipedia)

    Ökologische Auswirkungen

    Am 20. Februar 2014 warnen Axel Meyer von der Universität Konstanz und Jorge A. Huete-Pérez, Präsident der nicaraguanischen Akademie der Wissenschaften, in einem Kommentar in Nature ungewöhnlich scharf vor möglichen Auswirkungen auf umliegende Ökosysteme.[16] Ihrer Einschätzung nach kommt der Kanal auf der forcierten Strecke einem „ökologischen Desaster“ für Nicaragua und Umgebung gleich.

    Es würden 400.000 Hektar Regenwald und Feuchtgebiete zerstört, die den Lebensraum von bereits gefährdeten Tierarten wie dem Mittelamerikanischen Tapir, dem Geoffroy-Klammeraffen oder dem Jaguar bilden, die Rechte einer Vielzahl autonomer indigener Bevölkerungsgruppen bedroht und wissenschaftlich bedeutsame, unberührte terrestrische und lakustrische Ökosysteme gefährdet. Darüber hinaus läuft die Strecke durch das Cerro Silva Natural Reserve und könnte weitere umliegende Ökosysteme wie das Bosawás Biosphere Reserve oder das Indio Maíz Biological Reserve gefährden, die den letzten Zufluchtsort vieler gefährdeter Spezies darstellen.

    Die geplante Kanalstrecke läuft direkt durch den Nicaraguasee. Dies habe nicht nur einen unvermeidlichen Salzeintrag in das größte Trinkwasser-Reservoir Mittelamerikas zur Folge, sondern führe auch zur Ansiedlung invasiver Spezies mit „katastrophalen“ Auswirkungen auf lokale Populationen. Der mit dem Bau und der Benutzung einhergehende Schadstoffeintrag sowie Störungen des Sauerstoffgehalts würden eine Vielzahl von endemischen Fischarten gefährden. Weiter würde das Projekt den Bau eines Schleusensystems in erdbebengefährdetem Gebiet erfordern, was eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung und erhöhes Flutrisiko mit sich brächte.

    Die geplante Kanaltiefe von 27,6 Meter beträgt fast das Doppelte der mittleren Tiefe des Nicaraguasees von 15 Meter. Mit einer angedachten Kanalbreite von 520 Metern müsste der Nicaraguasee umfangreich ausgebaggert werden. Hierbei fielen Millionen Tonnen Sediment an, die in anderen Seeteilen oder an Land schädlich entsorgt werden müssten.[16]

    Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen

    In einem Interview mit Spektrum wirft Axel Meyer die Vermutung auf, dass geopolitische Interessen Chinas die treibende Kraft hinter dem Konkurrenz-Projekt zum unter US-amerikanischer Aufsicht stehenden Panamakanal darstellen, da mit dem Kanal nicht nur eine Alternativverbindung zu Venezuela bereitstünde, sondern mit der Baukonzession auch umfangreiche Rohstoffabbau- und Landnutzungsrechte übertragen würden.[17]

    Das juristische Konstrukt des Vertrages sei so angelegt, dass der Staat keine Handhabe auf die Art und Weise der Investitionen hätte, sodass Geld auch in private Hände fließen könnte. Ein Novum sei jedoch, dass die HKND-Group bereits im Vorfeld von allen ökonomischen und ökologischen Folgekosten freigesprochen wird. Weiter würden die für den Bau notwendigen Umweltgutachten nicht von – wie sonst üblich – unabhängigen Fachleuten erstellt, sondern von der HKND-Group selbst.

    Inzwischen seien von Seiten indigener Bevölkerungsgruppen bereits 30 Klagen (Stand 25. Februar 2014) gegen den Regierungsbeschluss eingegangen. Beschwerdegegenstand sei unter anderem die ausgebliebene Konsultation bezüglich des Bauvorhabens.[17]

    1. Um derart drittrangige Fragen haben sich die USA zur Zeit des Bau's am Panamakanal mit Sicherheit nicht geschert.

      Nun, wo die Chinesen so viele US-Dollar haben, sollten sie mit dem Geld schon sinnvoll

      investieren dürfen… . Vielleicht sind die Umweltschützer in diesem Falle ja sogar von den

      USA finanziert, ausnahmsweise? Gäbe es bei'm Fracking sicher auch Chancen!

      Wie lautet doch das Grundprinzip des Kaitalismus: Komkurrenz belebt das Geschäft, also bite, gefälligst nicht dagegen motzen…

      Imre

       

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