Der Afrika-Gipfel des 24. Weltwirtschaftsforums in Nigerias Hauptstadt Abuja gab vielleicht nicht die Richtungsweisung aus allen afrikanischen und weltweiten Nöten, doch die Chinesen nutzten die Gelegenheit für einen Knalleffekt, der über den Tag hinaus anhalten könnte. Ministerpräsident Li Keqiang sprach über „Gemeinsame Bemühungen, um Afrika auf eine höhere Stufe zu bringen", hielt es aber dabei weniger mit der Gemeinsamkeit als damit, Chinas technische Fähigkeiten darzustellen. Er versprach Afrika chinesische Hilfe beim Ausbau der Verkehrswege, wobei er einen starken Akzent auf den Eisenbahnbau legte.

Von Florian Stumfall

Weil Li schon einmal dabei war, schweifte er über Afrika hinaus und erörterte einen chinesischen Plan, der es in sich hat: Es geht darum, vom Nordosten Chinas eine Eisenbahnstrecke für Hochgeschwindigkeitszüge durch Sibirien unter der Beringstraße hindurch über Alaska und Kanada bis in die USA zu bauen. Die größte technische Herausforderung wäre dabei natürlich die Unterquerung der 90 Kilometer breiten Beringstraße, was ein Tunnel von 200 Kilometern Länge erfordern würde. Doch die Chinesen zeigen sich gleichmütig. Die Technologie dafür sei vorhanden, heißt es, und sie soll bald zum Einsatz kommen, wenn ein Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn-Tunnel nach Taiwan gebaut werde. Der China-USA-Zug soll eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 350 Stundenkilometern entwickeln, was für die 13.000 Kilometer eine Reisezeit von knappen zwei Tagen bedeuten würde. 

Erfahrungen mit Hochgeschwindigkeitszügen gibt es in China ausreichend. Das Land hat binnen einer Dekade das längste Streckennetz der Welt gebaut, ebenfalls 13.000 Kilometer lang – und das soll bis 2020 verdoppelt werden. Für all das zeichnet sich Wang Mengshu von der Chinesischen Akademie für Ingenieurwesen verantwortlich, der auch das USA-Projekt betreibt.

Unabhängig von den technischen und finanziellen Herausforderungen hat der Plan natürlich eine wichtige politische Komponente. Einerseits tritt China damit gegenüber Russland in Konkurrenz, denn das will ebenfalls eine Sibirien-USA-Strecke bauen. Ohne Russlands Zustimmung aber kommen die Chinesen nicht durch Sibirien. Also läge es nahe, den Plan gemeinsam zu verfolgen, was für beide Teile auch eine finanzielle Erleichterung bedeutete. Schwieriger auszuhandeln ist die Zustimmung der USA und Kanadas. Die beiden Länder haben sich dazu noch nicht geäußert. Vor allem für die USA bedeutet das Vorhaben einen Gesichtsverlust. Zuerst treten die Russen mit dem Plan einer Mond-Station an die Öffentlichkeit, jetzt ziehen die Chinesen mit ihrem Asien-Amerika-Zug nach. Und die USA selbst? Bauen allenfalls irgendwo eine neue Militärbasis.

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