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Der Kampf um die Rohstoffe dieser Welt gewinnt, da sie sich nicht vermehren, an Vehemenz. Hauptsächlich aus diesem Grund ist seit Jahren beispielsweise Afrika zum Opfer eines neuen Kolonialismus geworden. Doch auch die Kontinente der Erde sind gezählt. Wohin also, wenn es allmählich eng wird?

Von Florian Stumfall

Bis zur Mitte dieses Jahrhundert will Russland eine bemannte Station auf dem Mond errichten, meldet die Tageszeitung „Iswestija“. Dieser Plan sei Bestandteil des russischen Mondprogramms. Dieses wurde von der Russischen Akademie der Wissenschaften, der Raumfahrtbehörde „Roskosmos“, der Universität Moskau und einigen Unternehmen ausgearbeitet. In diesem Programm heißt es nach einem Zitat der Zeitung: „Im 21. Jahrhundert kann eine geopolitische Konkurrenz um die natürlichen Ressourcen auf dem Mond beginnen.“

Natürlich wird eine Erschließung der Bodenschätze auf dem Trabanten ein wenig komplizierter als der Marsch über den Chilkoot-Pass beim Goldrausch in Alaska. Im Vordergrund stehen weniger die technischen Probleme als die Frage nach der Finanzierung. Denn im Gegensatz zu allen bisherigen Programmen der Raumfahrt soll sich das Schürfen auf dem Mond auszahlen. Dennoch will Russland die Sache alleine durchführen. Als erstes will man geologische Daten sammeln, um beurteilen zu können, ob überhaupt an eine Rentabilität zu denken ist. Sollte das der Fall sein, so ist geplant, auch private Investoren an dem Vorhaben zu beteiligen.

Über den zeitlichen Rahmen herrscht bereits Klarheit. Im Konzept heißt es: „Binnen 20 bis 30 Jahren werden die führenden Weltraummächte günstige Aufmarschgebiete auf dem Mond suchen, um für die Zukunft eine praktische Nutzung zu ermöglichen.“ Dass Russland zu diesen Mächten gehört, steht außer Frage, schließlich ist es das einzige Land, das derzeit über eine Rakete verfügt, die Menschen und Material zur Weltraumstation ISS fliegen und – was die Menschen angeht – wieder zurückbringen kann.

Für das Vorhaben sind drei Phasen vorgesehen. Zuerst muss ein passender Platz für die Station ausgesucht werden. In der zweiten Phase fliegen Kosmonauten zum Mond, der Raketenkonzern Energia entwirft bereits die notwendigen Raumschiffe. Schließlich und drittens beginnt die Einrichtung der Infrastruktur, wobei man sich schon der Rohstoffe bedienen wird, die man auf dem Mond vorfindet. Doch es ist nicht daran gedacht, solche Rohstoffe zur Erde zu bringen. Ihre Gewinnung soll ausschließlich interstellaren Zwecken dienen. Der Raumfahrt-Experte Iwan Moissejew sagte zur „Iswestija“: „Es wäre sinnvoll, den Mond künftig als Weltraumbahnhof zu nutzen… Wenn man die erforderlichen Rohstoffe vom Mond nimmt, wäre es günstiger, Satelliten von dort aus zu starten…Was Rohstofftransporte vom Mond auf die Erde betrifft, so sind sie sinnlos. Selbst wenn man dort Diamanten findet, wäre ihr Transport nicht rentabel.“

1 KOMMENTAR

  1. Der Mond wird in erster Linie als Weltraumhafen dienen, um dort Raumschiffe bauen zu können, die dann als Transit von der Erde zum Mars oder einem der Monde von Jupiter und Saturn dient. Quasi als "Weltraumschnellzug".  Auch die Konstruktion von orbitalen und langfristig bewohnbaren Raumstation ist durch die vom Mond gewonnenen Resourcen um ein vielfaches günstiger.

    Aber ein solches Vorhaben kann man nur in internationaler Zusammenarbeit realisieren und finanzieren, gleichzeitig muss man aber dafür Sorge tragen, dass man nicht zu abhängig von anderen Weltraumorganisationen wird.

    Ich bin derzeit 26. Werde also demnach höchstens den Beginn einer Mondkolonialisierung miterleben, sollte die Welt zuvor nicht durch einen atomaren Weltkrieg untergehen.

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