Frankreich: Arabischer Ausverkauf

Frankreichs neuer Regierungschef Valls hat sich die Quadratur des Kreises vorgenommen: Er will im laufenden Haushalt 50 Milliarden Euro einsparen und gleichzeitig Steuern senken. Dabei kämpft er mit einer reformunwilligen Öffentlichkeit, der Linken in seiner eigenen Sozialistischen Partei und vor allem mit der Schwäche und Orientierungslosigkeit des Präsidenten Hollande. Und zugleich lebt das Land schon seit langem von seiner Substanz.

Von Florian Stumfall

Wer nur ein wenig genauer hinschaut, sieht, dass viele französische Aushängeschilder nicht mehr französisch sind. So haben in den letzten Jahren allein die Scheichs von Katar – das sind die mit der Fußball-Weltmeisterschaft – folgende Gusto-Stückl der französischen Wirtschaft gekauft: In Paris die Hotels Raffels, Lambert, Evreux an der prominenten Place Vendome und das Concorde Lafayette, ferner das Internationale Kongresszentrum an der Avenue Kleber, das Einkaufszentrum Le Printemps, und das Center Le Figaro am prominenten Boulevard Haussmann mitten in Paris, übrigens rund 23.000 Quaratmeter groß, für schlichte 300 Millionen Euro. Dazu kommen 32.000 Quadratmeter, verteilt auf verschiedene Objekte an der Champs Elysée.

Nach Paris ist in Frankreich die Cote d’Azur das teuerste Pflaster. Dort haben sich die Katari das nötige Geld für folgende Liegenschaften vom Mund abgespart: die Hotels Majestic, Martinez und das altberühmte Carlton in Cannes sowie die Casinos Barriere de Prince und Barriere Croisette ebendort. In Nizza ist es das Hotel Mediterrané.

Neben diesen Immobilien haben sich die Söhne der Wüste noch einige Wirtschaftsanlagen gegönnt: Vivendi SA, die größte französische Medien-Gruppe, gefolgt von Lagardère, dann den Weltmarktführer bei Umwelt-Dienstleistungen, Veolia Environement und zugleich den Kollegen Suez Environement, den Erdöl-Riesen Total als achtgrößtes Industrieunternehmen der Welt, den Mode-Konzern Le Tanneur, und, weil man’s doch mit dem Fußball hat, die TV-Rechte der Ersten Fußball- und Handball-Division. Dies alles, wie gesagt, gehört allein den Katari. Von anderen Scheichs ist hier nicht die Rede.

Doch dies alles ist nicht das eigentliche Problem, sondern nur dessen Symptom. Die Schwierigkeiten der französischen Wirtschaft liegen im strukturellen Bereich. Die Staatsverschuldung nähert sich den hundert Prozent des Bruttoinlandsprodukts – jene 60 Prozent von Maastricht sind längst Geschichte. Die Zahl der Arbeitslosen liegt bei 3,5 Millionen. Mitursächlich dafür sind ein viel zu hoher Mindestlohn und ein prohibitiver Kündigungsschutz. Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit im Euroraum ist nicht ausreichend. Der Weltmarktanteil des Landes beim Export sinkt ständig, seit Einführung des Euro hat sich die Leistungsbilanz stetig verschlechtert. In den zurückliegenden 15 Jahren sind in der Industrie die Lohnstückkosten um 30 Prozent gestiegen. Der deutsche Vergleich weist die Hälfte aus. In den vergangenen zehn Jahren ist die Produktion von Automobilen um 40 Prozent zurückgegangen.

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Soweit Deutschlands wichtigster Partner bei der Fortsetzung der Saga vom „Erfolgsmodell Euro“, die während des EU-Wahlkampfes von Reval bis Cadiz gesungen wird.

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