Lissabon, 25.05.2014, Estadio da Luz. Das Stadion von Benfica war gestern Schauplatz für das Finale der UEFA Champions League 2014. Es ist das erste CL-Finale zwischen Teams aus der selben Stadt. Ein waschechtes Derby also. Bis zu 100.000 spanische Fußballfans haben Real und Atletico Madrid nach Lissabon begleitet, aber viele haben das Spiel in den Cafés, Restaurants und Bars gesehen da nur 60.000 Fans ins Stadion durften. 3.500 Journalisten und jede Menge geladene VIP’s machten die insgesamt knapp 65.000 Plätze voll. Sie alle sahen ein denkwürdiges Spiel, welches in die Fußballgeschichte eingehen wird.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Real-AtleticoDas größte Stadion Portugals war Schauplatz für ein großes Fußballspiel – ein wahres Fest für Millionen Fans im Estadio da Luz, Lissabonn, Madrid, Spanien und überall auf der Welt, wohin das Spiel übertragen wurde und wo man gerne Fußball auf allerhöchstem Niveau sieht.

Schon am Freitag füllten sich die Straßen Lissabons zur Freude der kleinen Ladenbesitzer, der Cafés und Restaurants, Nachtklubs und Hotels. Nicht nur die Besitzer freuten sich, sondern alle die im Einzelhandel und im Tourismus arbeiten. Selbst die Bettler, „arrumadores de carros“ (Autoaufräumer), sowie Straßenmusiker, die Straßenhändler und Künstler, ganz zu schweigen von den Straßenschwalben und Taschendieben – sie alle profitierten vom großen Andrang. Bis zu 100.000 gut gelaunte, nicht sehr auf Sparsamkeit bedachte und schon am Vormittag angeheiterte Spanier strömten in die Stadt und brachten ihre Euros unter die Leute.

Zum Spiel selbst muss ich sagen, dass es die extrem hohen Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar noch übertroffen hat. Bale (Real) hatte in der 6‘ die erste große Chance des Spiels, als er in einem schnellem Konter, allein vor dem Tor der „Colchoneros“ stand und knapp am Kasten vorbeischoss. Als in der 9‘ Atleticos Starstürmer Diego Costas dessen Verletzung wieder aufbrach, musste Trainer Simeone ihn vom Platz nehmen und damit gleich am Anfang des Spiels eine Auswechslung verbrauchen.

Es war ein Risiko, den besten Torjäger des neuen spanischen Meisters trotz seiner Verletzung aufzustellen. Dennoch hat Atletico nach anfänglicher Überlegenheit Reals das Spiel langsam ausgeglichen. In der 36‘ hat Rechtsverteidiger Diogo Godin (Atletico) seinen Stürmerkollegen ersetzt und ein zweites Champions-League Tor erzielt. Er hatte dabei Hilfe von Reals Torhüter Iker Casillas, der bei einem in seinen Strafraum geflankten Ball zögerte, aus dem Kasten herauslief, auf halbem Weg sah, dass er nicht rechtzeitig an den Ball kommen konnte und dann versuchte schnell wieder zurück ins Tor zu gelangen. Doch konnte er den Ball nicht rechtzeitig erreichen und holte das Leder erst hinter der Linie heraus. Nach diesem Tor agierten die „Merenges“ wie eine eingeschüchterte Schülermannschaft. Bis auf wenige Ausnahmen, wie Di Maria oder Sergio Ramos, fehlte es den Spielern von Real, einschließlich ihrer Stars Ronaldo and Bale – ihnen wollte nichts so recht gelingen. Zur Halbzeit führte Atletico völlig zu recht mit 1:0.

Die zweite Hälfte begann mit Real Madrid im Angriff – und was auch immer Coach Carlo Acelotti seinen Spielern in der Kabine gesagt hat: es hat gewirkt. Man sollte meinen, dass Ronaldo, wie so oft schon, zum Retter in der Not wird. Doch, obwohl er wie immer alles gab, war zu merken, dass seine Verletzung ihm zu schaffen machte. Aber Real Madrid wären nicht „Königlichen“, wenn sie nicht genügend andere Spieler hätten, die das Spiel in die Hand nehmen können. Bale, Coentrão und vor allem Di Maria haben einen Angriff nach dem anderem gestartet und den Rest der Mannschaft mit sich gerissen. Welle um Welle versuchte Real den Ausgleich zu erzielen, wobei sie entweder an Atleticos Abwehr scheiterten, oder an Torwart Courtois. Auf der anderen Seite scheiterten die schnellen Gegenstöße, die meist von Tiago oder Koke ausgingen und einen schnellen Abschluss von David Villa suchten, an Casillias, der somit seinen Fehler aus der ersten Halbzeit wieder gut gemacht hat.

So sehr sich Real auch bemühte, das „Runde“ wollte einfach nicht ins „Eckige“. Einerseits wurden die Spieler von Atletico zwar immer müder, foulten immer mehr und sahen jede Menge Gelbe Karten, andererseits wurden die Merenges immer nervöser und ungeduldiger. Atletico versuchte Zeit zu schinden und Schiedsrichter Björn Kuipers (NL), der ein gutes Spiel machte, gab 5 Minuten Nachspielzeit. Ein Eckball von rechts in der 93‘ brachte Sérgio Ramos die Gelegenheit das lang erwartete 1:1 zu machen. Er köpfte den Ball links unten ins Netz. Das bedeutete Verlängerung und damit wurde ein Albtraum für Atletico wahr, die körperlich und geistig beriets nach 90 Minuten am Ende waren.

In der Verlängerung ging das Massaker weiter. Mit dem Unterschied, dass die Spieler von Real diesmal das Tor trafen. Das 2:1 fiel erst in Hälfte zwei einer Verlängerung, die eine kleine Pause benötigt hätte. Bale machte den Führungstreffer in der 110‘. Danach gab es kein Halten mehr. Marcelo erhöhte in der 118‘ auf 3:1. Zu guter Letzt wurde Ronaldo im Strafraum gefoult und übernahm die Ausführung des Stafstoßes selbst. So machte der Liebling der Massen und Weltfußballer des Jahres 2013 das 4:1 in der 120‘ und fügte so seiner beneidenswerten Liste von Toren einen weiteren Treffer hinzu.

4:1 scheint auf den ersten Blick ein übertriebenes Resultat zu sein, doch man muss sehen, dass es nach 90 Minuten 1-1 stand. Völlig zurecht, da die ersten 45 Minuten Atletico, und die zweiten, Real Madrid gehörten. In der Verlängerung gewann das Team mit dem längerem Atem.

Die portugiesischen Fans haben dem Finale auch deswegen entgegen gefiebert, weil 3 aktuelle und ein ehemaliger portugiesische Nationalspieler bei den Stadtrivalen aus Madrid unter Vertrag stehen. Tiago von Atletico ist zwar schon von der Seleção zurückgetreten, aber er hat in diesem Finale seine brillante Form wieder unter Beweis gestellt. Kein Wunder also, dass die Fans enttäuscht sind weil Nationaltrainer Paulo Bento nicht versucht hat ihn mit nach Brasilien zu nehmen. Enttäuscht waren sie auch, dass Pepe nicht wie vorgesehen in Reals Abwehr stand. Eine Verletzung hat ihn um die Ehre gebracht, mit seinen Kollegen dieses Finale zu gewinnen. Fabio Coentrão hat vor seinem Wechsel nach Madrid bei Benfica Lissabon gespielt und in diesem Sinne war es eine Rückkehr in ein Stadion, in dem er bereits glücklich war. Zu Ronaldo muss nicht mehr allzu viel gesagt werden, außer dass er nach dem Spiel seinen Bruder in einer bewegenden Geste umarmte und wieder einmal deutlich wurde, dass hinter dem gut frisierten, für Anti-Schuppenshampoo werbenden Superstar, ein Familienmensch steckt. Ein sehr erfolgreicher Fußballer, der nun in einer großartigen Fußballmannschaft einen weiteren Champions-League Titel gewann und jetzt in Brasilien weiter an seiner Erfolgsgeschichte arbeiten will.

Gratulation an den neuen Europameister, Real Madrid, für den 10. Titel ihrer Geschichte. ALA MADRID!

 

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