Sämtliche Drohungen des Westens gegen Moskau kulminieren in der Vorstellung, dass, wenn USA und EU es wollten, Russland auf seinem Öl und Gas sitzenbleiben werde und damit wirtschaftlich ruiniert würde. Doch die Erinnerung trügt den, der meint, diese Ankündigungen gebe es erst seit dem Ukraine-Konflikt. Schon in den Monaten und Jahren davor hat der Westen Russland so anhaltend vor den Kopf gestoßen, dass er dieses Land systematisch in die politische Nähe Chinas getrieben hat. Und das bringt zwangsläufig auch wirtschaftliche Folgen mit sich.

Von Florian Stumfall

„Nur Saudi Arabien hat die Möglichkeit, die Förderung zu steigern und den Preis auf dem Weltmarkt sinken zu lassen“, antwortete Präsident Putin auf die Frage, ob westliche Sanktionen die russischen Einnahmen aus dem Ölgeschäft vermindern könnten. Doch er fürchte keine derartige Maßnahme der Saudis, denn sie würde diesen selbst schaden.

Im September des vergangenen Jahres hat Saudi-Arabien Russland vom ersten Platz der Öl-Förderländer auf den zweiten verdrängt. Dabei hat Russland in diesem Zeitraum seine Förderung von Öl und Gaskondensat um 1,3 Prozent auf 523,275 Millionen Tonnen gesteigert. In Zeiten drohenden Boykotts stellt sich also weniger die Frage der Produktion als des Absatzes.

In diesem Zusammenhang ist für Russland eine Prognose der Internationalen Energieagentur von Belang, wonach sich der Öl- und Gashandel allmählich nach Asien verlagern wird. Ganz im Zuge dieser Entwicklung haben bereits im Herbst des vergangenen Jahres Russland und China über 20 Handelsabkommen unterzeichnet. Dabei  ist auch eine umfangreiche Lieferung von Gas vereinbart worden. Sie wird über die bereits bestehende Pipeline „Sila Sibiri“ und einer weitere namens „Altai“ erfolgen, die erst gebaut werden soll.

Entsprechend konkret sind auch die Vereinbarungen für den russischen Öl-Export. Die russische Holding „Rosneft“ wird dem chinesischen Konzern „Sinopec“ während der kommenden zehn Jahre jährlich zehn Milliarden Tonnen Öl liefern. Im Vorfeld dieser Vereinbarung haben die Präsidenten von Russland und Kasachstan, Putin und Nasarbajew, im vergangenen Spätherbst ein Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit beim Transport von russischem Öl nach China vereinbart.

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Darüber hinaus haben russische und chinesische Banken Vereinbarungen im Umfang von fast zwei Milliarden Dollar getroffen. Dabei geht es um den Ausbau des Kraftwerks Ekibastus in Kasachstan und den Ankauf von chinesischen Waren.

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One thought on “Russland-Sanktionen: Öl fließt auch nach Osten”

  1. Die Monopolstellung des Westen war der Grund für die bisherigen Kriege und völkerrechtswidrige Interventionen seitens der USA. Nun erscheint mit Russland und China ein mächtiger, weltpolitischer Gegenpol, der tatsächlich dazu führen kann, dass sich die Kräfteverhältnisse ausbalancieren und zukünftige Krisen eher diplomatisch, anstatt militärisch gelöst werden. Die bisherige Monopolstellung der USA hat dem Weltfrieden massiv geschadet, siehe Irak, Lybien, usw. Und nun die Wirkung eines mächtigen Gegenpols wie im Konflikt in Syrien und Iran.

    Fakt ist, dass ein Gegenpol zum Westen, es der USA / NATO sehr schwer machen wird, eine Krise militärisch zu lösen, um ihren US-Dollar zu wahren, ohne dass Russland und China ihr Veto machen. Und das ist Gut so! Auch wenn der Westen versuchen wird, diesen Gegenpol zu schwächen, birgt diese Strategie die Gefahr, dass man sich selbst schwächt und isoliert, denn letzlich braucht der Westen die Rohstoffe aus dem asiatischen Kontinent. Und wenn er keinen Krieg führen will, um diese Rohstoffe zu bekommen, wird er für sie zahlen müssen, aber nicht in US-Dollar, sondern in Rubel und Yuan!

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