Der wesentliche Grund, warum sich die USA politisch wie militärisch in bedrohlicher Weise gegen Russland in Stellung bringen, ist ihre Angst vor einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit europäischer Länder, vor allem Deutschlands, mit Russland, was die Rolle des US-Dollar als Reservewährung gefährden könnte. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine solche Befürchtung einen Krieg auslöst.

Von Florian Stumfall

Libyen war zu Gaddafis Zeiten das am besten regierte Land in Afrika. Es hatte mit 14.400 US-$ das höchste Pro-Kopf-Einkommen; die Alphabetisierungsrate stieg von 20 auf 88 Prozent, der höchsten in Afrika; es gab eine kostenlose Gesundheitsfürsorge; Bildung war kostenlos, sogar Auslandsstudien; auf 800.000 Einwohner kam eine Universität, das ist dieselbe Rate wie in Deutschland; wer ein Unternehmen gründete, bekam 20.000 US-$ Starthilfe, bei einer Heirat gab es 50.000 US-$ für ein Eigenheim; wer einen landwirtschaftlichen Betrieb gründete, bekam Land, Maschinen und Saatgut gratis. Damit ist es jetzt vorbei, das Land ist zerstört.

All das wurde vom Einkommen  aus der Öl-Förderung finanziert. Doch Gaffadis Pläne gingen weiter. Er wollte eine afrikanische Investitionsbank und einen afrikanischen Währungsfonds gründen, um vom IWF und anderen US-dominierten Einrichtungen unabhängig zu werden. Das verziehen ihm weder die Wall Street noch die Londoner City.

Was Frankreich anging, so war Sarkozy nicht nur deswegen für den Krieg, weil er Gaddafi 40 Millionen Dollar schuldete, mit denen der Libyer Sarkozys Wahlkampf finanziert hatte. Ein toter Gläubiger ist ein guter Gläubiger. Doch es gab noch einen weiteren Grund, der auch die Amerikaner anging. Gaddafi hatte die unermesslichen Wasservorräte in der Sahara erschlossen, eine Menge, so wurde geschätzt, mit der man Deutschland 1.000 Meter unter Wasser setzen könnte. Damit wollte er Libyen vom Lebensmittel-Importeur zum Ausfuhr-Land machen und das auch seinen Nachbarn ermöglichen. Das konnte die US-Lebensmittel-Giganten wie Monsanto nicht ruhig lassen, die auf dem Weg zum Weltmonopol sind. Frankreich hatte zudem den Plan, innerhalb der kommenden 20 Jahre in der ganzen Mittelmeer-Union 400 Kernkraftwerke zu bauen. Mit Hilfe dieser Kraftwerke sollte vor allem Energie zur Meerwasser-Entsalzung gewonnen werden. Das libysche Süßwasser-Projekt hätte das scheitern lassen. Außerdem mussten die Geschäftsinteressen der drei französischen weltweit führenden Konzerne im Wasser-Geschäft, SAUR, Veolia und Suez-Ondeo gewahrt werden. Sie beherrschen 40 Prozent des weltweiten Wasserhandels. Deshalb wurde von der NATO gleich zu Kriegsbeginn die Süßwasser-Pipeline aus der Wüste bombardiert und zerstört.

Ein Vorwand hatte sich ganz nach CIA-Art finden lassen: um Bengazi wurde bei unzufriedenen Stämmen wie den Harabi Unruhe geschürt und zwar von den CIA, den Blackwater-Söldnern, die damals wahrscheinlich schon Monsanto gehörten, und einer „Libyan Islamic Fighting Group“. Für diese hatte die CIA einen Befehlshaber, einen al-Kaida-Mann aus Afghanistan mit Namen al-Hasidi, aus einem Lager bei Chost herbeigeholt, außerdem zur Verstärkung 450 Insassen des Lagers von Guantanamo. Und all das angeblich zum Schutz der Zivilbevölkerung.

Artikelbild: Flickr / Magharebia CC-BY 2.0

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2 KOMMENTARE

  1. Guter Beitrag!!

    Das da ein mieses Spiel gespielt wurde, war mir bekannt, aber wer da noch alles seine Finger im Spiel hatte ist erschreckend.

  2. "Es hatte mit 14.400 US-$ das höchste Pro-Kopf-Einkommen; die Alphabetisierungsrate stieg von 20 auf 88 Prozent, der höchsten in Afrika"

    Woher kommen diese Zahlen?!
    Das wohlhabenste Land meiner Meinung nach war schon immer Suedafrika.

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