Kommt der Dollarkollaps? Asiatische Länder wenden sich vom Dollar ab

Der US-Dollar gerät als Weltleitwährung immer weiter unter Druck. Wie inzwischen bekannt wurde, arbeiten Japan, China, Südkorea und zehn weitere asiatische Staaten an einem System, welches den zwischenstaatlichen Handel von Unternehmen in den jeweiligen Landeswährungen erleichtern soll. Erwartet uns nun der baldige Dollarkollaps?

Von Marco Maier

Der Entschluss Russlands, Öl- und Gasgeschäfte zukünftig in Euro zu fakturieren, die Verhandlungen zwischen Russland und China darüber, den bilateralen Handel in Yuan und Rubel abzuwickeln, sowie die Geschäfte zwischen dem Iran und Russland ohne Dollars waren offenbar nur ein Anfang. Innerhalb der BRICS-Staaten selbst gibt es schon länger Überlegungen, den zwischenstaatlichen Handel in den jeweiligen Landeswährungen zu verrechnen. Nun springen auch noch eine ganze Reihe asiatischer Staaten auf den Zug auf, wie das Portal "Nikkei Asian Review" mitteilt.

Allen politischen Differenzen zum Trotz versuchen ganze 13 asiatische Staaten sich schrittweise von der Dollardominanz im internen Handel zu lösen. So treffen sich die Finanzminister und Notenbankgouverneure jener Länder Anfang Mai bei einer Mitgliederversammlung der Asiatischen Entwicklungsbank in Kasachstan. Ziel des Treffens ist es, die Abwicklung von Geschäften privater Unternehmen in den jeweiligen lokalen Währungen deutlich zu erleichtern.

So sollen auch einheitliche Verfahren bei der Ausgabe von Unternehmensanleihen eingeführt, und bei Unternehmensansiedlungen die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Zentralbanken zum erleichterten Fluss privaten Kapitals in die betreffenden Regionen gefördert werden. So werden Infrastrukturprojekte wie der Bau von Stromnetzen im asiatischen Raum immer zahlreicher. Das Investitionsvolumen allein in diesem Bereich beläuft sich derzeit auf etwa 580 Milliarden Euro im Jahr.

Bei den Unternehmensanleihen würden einheitliche Standards dazu führen, dass die Investitionen zwischen den asiatischen Ländern deutlich einfacher fließen könnten als bisher. China, Südkorea und 10 anderen ASEAN-Länder haben beispielsweise umgerechnet 2 Billionen Euro in Unternehmensanleihen ausstehend, Japan gar das Vierfache davon. Ohne den Umweg über den US-Dollar nehmen zu müssen, würde das gegenseitige Investitionsvolumen mit den einheitlichen Standards noch deutlich zunehmen.

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Weiters wollen die 13 Länder daran arbeiten, die Vergabe von Krediten in lokaler Währung zu vereinfachen, indem die Staatsanleihen der einzelnen Länder als Sicherheiten akzeptiert werden. So könnten zum Beispiel südkoreanische Banken bei Investitionen von Unternehmenskunden in einem der anderen 12 Länder die im Besitz befindlichen Staatsanleihen bei internationalen Verrechnungsbanken als Sicherheit hinterlegen, um dann Kredite in lokaler Währung für Investitionen von Unternehmen zu gewähren. Im Gegenzug sollen die Zentralbanken ihre Verrechnungssysteme miteinander verknüpfen, damit die Abwicklung der Geschäfte zwischen den Geschäftsbanken in den einzelnen Ländern reibungslos funktioniert.

Für den US-Dollar bedeutet dieses geplante System jedoch, dass die massiv sinkende Nachfrage zu einem gewaltigen Kursdruck führen werden. Bekommt man aktuell für einen Euro schon ganze 1,38 Dollar, könnte sich der Kurs mittelfristig deutlich über der Marke von 1,50 pro Euro bewegen. Der Status als Weltleitwährung dürfte langsam passé sein.

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