Im Golf von Guinea beginnt in wenigen Tagen das einwöchige Großmanöver „Obangame Express“, und die deutsche Kriegsmarine ist dabei.  Sie wird zwei Fregatten und einen Einsatzgruppen-Versorger zu der Übung entsenden, an der zahlreiche afrikanische Atlantik-Anrainer, halb Europa, aber auch Brasilien und die Türkei teilnehmen, die nicht fehlen darf, wenn mit den Säbeln gerasselt wird. Den Oberbefehl haben – wen wundert’s – die USA.

Von Florian Stumfall

Die Amerikaner sind es auch, die das Konzept entwickelt haben, wonach „Obangame“ abläuft. Ihre Afrika-Politik besteht darin, möglichst viele schwarze Länder militärisch, das heißt, was Ausbildung, Ausrüstung und Finanzierung angeht, von sich abhängig zu machen. Und das ist auch der rote Faden des Manövers vor Guinea, wie das Beispiel der deutschen Teilnahme zeigt.

Offiziell lautet die Parole: „Das Manöver dient der Ertüchtigung der regionalen maritimen Fähigkeiten.“ Und nachdem dazu auch die entsprechende Ausrüstung gehört, fand im Vorfeld des Manövers in der Ghanaischen Hauptstadt Accra eine Konferenz mit dem Titel „Coastal and Maritime Surveillance“ statt, wobei es sich allerdings im wesentlichen um eine Rüstungsmesse handelte. Zum Verkauf angeboten wurden in erster Linie Helikopter und Aufklärungsdrohnen, vertreten waren die Waffenschmieden von Airbus Defence and Space (EADS), die Friedrich Lürssen Werft und Atlas Elektronik, Firmen mithin, die entweder deutsch sind oder wo Deutschland einen bestimmenden Einfluss ausübt. Atlas produziert neben Datenverarbeitungssystemen für Kriegsschiffe auch Unterwasser-Drohnen und Torpedos.

Den Afrikanern Waffen zu verkaufen ist nicht nur ein gutes Geschäft, sondern spart auch eigene Ausgaben. Anlässlich einer Kommandeurstagung der Bundeswehr hat vor einiger Zeit Kanzlerin Merkel das System erläutert: Da NATO und EU „nicht alle sicherheitspolitischen Probleme alleine lösen“ könnten, sei es notwendig  die „regionalen Partner in die Verantwortung zu nehmen“. Das heißt im Klartext: Führt eure Kriege möglichst selber, das spart uns teure Einsätze und bringt uns Gewinn aus den Waffenlieferungen, die wir euch schicken. Man kann das getrost riskieren, denn Guinea verfügt über große Öl-Reserven. Allein das Offshore-Feld „Jubilee“ wird auf 800 Millionen Barrel geschätzt.

Dabei hat Guinea an die vier Milliarden Dollar Auslandsschulden und zählt damit zu den Ländern mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung weltweit. Zinsen und Tilgung verschlingen fast ein Viertel der Export-Einnahmen. 40 Prozent der Bevölkerung leben in absoluter Armut.

Artikelbild: Arbeiter einer Ölplattform im Golf von Guinea – Flickr / rusteek CC-BY 2.0

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