Noch vor wenigen Wochen erklärte die Sprecherin des US State Department, Jen Psaki, auf absehbare Zeit seien die USA nicht in der Lage, Europa mit Gas zu versorgen (Contra magazin 04/2014). Jetzt behaupten Präsident Obama und sein Außenminister Kerry, Psakis Chef, das Gegenteil. Das zeigt wieder einmal, daß, wer lügt, ein gutes Gedächtnis braucht.

Von Florian Stumfall

Mit dem TTIP-Abkommen, dem sogenannten Freihandel zwischen den USA und der EU werde die „Lieferung von Flüssiggas in Richtung Europa sehr viel einfacher“, so Obama. Mit solchem Optimismus will er die festgefahrenen Verhandlungen über TTIP wieder ins Rollen bringen, indem er zusätzlich Misstrauen in die Vertragstreue der russischen Lieferanten zu streuen versucht. Doch die Erfahrungen sprechen eine andere Sprache: Sogar im kältesten Kalten Krieg hat sich die damalige Sowjetunion zuverlässig an alle Abmachungen gehalten.

Allerdings erklärt Obama nicht, woher er das Gas nehmen will, das da so einfach spendiert werden soll. Aus den Schiefergas-Lagerstätten, die mit dem umstrittenen Fracking hätten erschlossen werden sollen, wird es kaum kommen. Diese Fördermethode wird von zwei der größten Petroleum-Konzernen, Shell und BP, bereits wieder aufgegeben, weil sie unwirtschaftlich ist. Waren es im Jahr 2012 noch rund sieben Milliarden Dollar, die internationale Investoren des Energie-Sektors für Anteile an Lagerstätten von Schiefer-Kohlenwasserstoffen ausgegeben haben, so sank diese Zahl im vergangenen Jahr auf die Hälfte. Heuer macht sich beispielsweise Shell bereits daran, Pachtverträge über 280.000 Hektar Land in Texas, Pennsylvania, Colorado und Kansas abzustoßen (Wall Street Journal/IHS Herold). Shell-Boss van Beurden ließ verlauten: „Die finanzielle Performance ist offen gesagt nicht hinnehmbar.“ Vom finanziellen Problem abgesehen, fehlt den USA die Infrastruktur für Verflüssigung und Transport von Gas in großem Umfang. Der Analytiker F. William Engdahl nennt die Versicherungen der USA, russische Lieferungen ersetzen zu können, „eine glatte Lüge angesichts der physikalischen Realitäten“.

So ist es wahrscheinlich, dass die EU weiterhin 30 Prozent ihres Erdgas-Bedarfs in Russland decken wird, mit steigender Tendenz. Deutschland als der größte europäische Gaskunde stockte im ersten Quartal des laufenden Jahres seine Importe gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf, Großbritannien die seinigen um ein Drittel. „Gazprom ist bereit, den wachsenden Gasbedarf europäischer Volkswirtschaften weiterhin zu decken“, so die offizielle Auskunft des Energie-Riesen. Und die USA dürften weiterhin Importeur von Gas bleiben, einer der größten weltweit.

Artikelbild: Flickr / Wyatt Wellman CC-BY-SA 2.0

2 COMMENTS

  1. Fracking bringt vergiftetes Wasser, und Feuer kommt aus dem Wasserhahn. wenn unsere politiker das nun sogar Forden, frage ich mich, mit wieviel Millionen die bestochen wurden.

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