Dollarland ist abgebrannt – wer braucht noch eine Weltleitwährung?

Angesichts der zunehmend multipolaren Welt und der vielfältigen Handelsbeziehungen ist die Fixierung auf den US-Dollar mehr als anachronistisch – sie ist brandgefährlich. Denn Dollarland ist abgebrannt und ein unumgänglicher Crash der Vereinigten Staaten Dank der aktuellen Dollardominanz ein globales Systemrisiko. Eine Weltleitwährung konzentriert einfach zu viel finanzielle Macht in die Hände von zu wenigen Leuten.

Von Marco Maier

Die Vereinigten Staaten haben den Status des US-Dollars in den letzten Jahrzehnten als Weltleitwährung massiv beschädigt. Seit Gründung der Fed 1913, und noch mehr seit Aufkündigung des Goldstandards 60 Jahre später im Zuge der Außerkraftsetzung des Bretton-Woods-Systems 1973, hat der Dollar derart massiv an Wert verloren, dass man ein System mit solch massiven globalen Auswirkungen nicht mehr länger in die Hände von offensichtlich unfähigen und überaus eigennützigen Zentralbankern legen sollte. Nun, knapp mehr als 40 Jahre danach ist es an der Zeit, die Weichen endgültig neu zu stellen. 

Russland beginnt inzwischen Öl und Gas in Euro zu fakturieren, im Handel mit dem Iran setzt man offenbar ebenfalls auf den Euro, während man die China-Geschäfte wohl in Yuan abwickeln möchte. China, welches viel Geld in Afrika investiert, könnte im Handel mit dem "schwarzen Kontinent" ebenfalls beginnen, den Yuan mittelfristig als Handelswährung zu etablieren. Sollten sich Länder wie Brasilien und Venezuela dem anschließen, wäre wohl ein erster wichtiger Schritt geschafft.

Für die nächsten 10-20 Jahre hat China ohnehin noch keine reelle Chance, den Yuan als Weltleitwährung zu etablieren und den Dollar abzulösen. Und das ist auch gut so. Damit haben die anderen Länder eine Möglichkeit, regionale Wirtschaftsräume zu schaffen und ihre eigenen Währungen zu stärken.

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Über kurz oder lang sollte es jedoch möglich sein, den internationalen Handel auf Basis von Landes- oder Regionalwährungen abzuwickeln. Warum müssen zum Beispiel wir Europäer unser importiertes Erdöl den Saudis mit Dollars bezahlen? Ist denen unser Geld nicht gut genug? Sind uns Europäern die Real nicht gut genug, die wir für den Export unserer Waren nach Brasilien erhalten würden? Weshalb legen wir unser wirtschaftliches und finanzielles Wohl derart extrem in die Hände der US-Zentralbanker?

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Dass eine Weltleitwährung für den internationalen Handel immer unwichtiger wird, zeigt sich schon an den jüngsten Entwicklungen. Ebenso erkennen wir deutlich, in welche fatale Abhängigkeit vom finanziellen Wohl und Wehe der USA beinahe die halbe Welt geraten ist. Was soll China mit den Billionen an Dollar machen, die als Schuldverschreibungen in deren Tresoren lagern? Wirft Peking zu viele davon auf den Markt um damit Investitionen zu tätigen, gerät der Dollar zu sehr unter Druck, so dass die übrigen Papiere noch schneller an Wert verlieren.

Vielleicht sollten wir damit beginnen uns von der Vorstellung zu lösen, dass Weltleitwährungen und nationale Währungen sinnvoll wären. Das Gegenteil ist nämlich der Fall. Man sollte es den jeweiligen Handelspartnern überlassen, auf Basis welcher Währung Geschäfte abgeschlossen werden. Wenn ich beim Einkauf mit Euro, Franken, Gold- und Silbermünzen, Bitcoins oder mit Rheintalern bezahlen kann, weil der Laden diese Akzeptiert – warum nicht? Geld ist schlussendlich das, was man dazu macht und welches als Bezahlung akzeptiert wird. Nicht, weil es von oben verordnet wurde, sondern weil man es selbst so will.

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