Die Tataren – von Putin aus der Vergessenheit geholt

Ein wesentlicher Grund, warum die Krimtataren die Rückgliederung ihrer Heimat in die russische Föderation zunächst nicht begrüßt haben, sind böse Erinnerungen an die Stalin-Despotie. Wie so viele ethnische Minderheiten bekamen die Tataren die Brutalität des Systems in noch erheblicherem Maß zu spüren als das russische Titularvolk. Doch heute liegen die Dinge völlig anders.

Von Florian Stumfall

Präsident Putin hat einen Erlass über die Rehabilitierung der Völker auf der Krim in Kraft gesetzt, die von den Repressalien unter Stalin betroffen waren, in erster Linie der Tataren als der größten Minderheit. Daneben gab es noch armenische, deutsche und griechische Bevölkerungsteile. Putin spricht alle an, „die unter den Stalinschen Repressalien gelitten haben“. Im Zuge der Rehabilitation wird festgelegt, dass alle drei Sprachen auf der Halbinsel, Russisch, Ukrainisch und Tatarisch, eine Turksprache, als Amtssprachen gelten werden. Der Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, hat den Krimtataren zudem mehrere relevante Posten in der Regierung in Aussicht gestellt.

Putin hatte schon anlässlich der Wiedereingliederung der Krim an das Schicksal der Tataren erinnert und angekündigt, die vollständige Rehabilitierung der in der Sowjetunion als „Nazi-Kollaborateure“ verleumdeten Volksgruppe zu veranlassen: „Die Krimtataren sind inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt. Ich bin der Ansicht, dass es notwendig ist, alle politischen und rechtlichen Schritte dazu zu unternehmen, die Rehabilitation der Krimtataren zu vollenden und ihren guten Namen in vollem Umfang wiederherzustellen.“

Die Krimtataren haben vor einigen Wochen bei ihrer Volksversammlung in der Stadt Bachtschissarai eine nationale und territoriale Autonomie im Verband der Republik Krim gefordert. Auf ein Referendum aber verzichten sie zunächst. „Das Referendum wird erst durchgeführt, wenn es notwendig sein wird, die strikte Position des krimtatarischen Volkes zu erfahren“, sagte der Vorsitzende des krimtatarischen Parlaments, Refat Tschubarow.

Lesen Sie auch:  Hat Russland tatsächlich einen Vorteil im Kampf um Multipolarität?

Anfang März haben die Autonome Republik Krim und die russische Teilrepublik Tatarstan ein Abkommen über wirtschaftliche und humanitäre Zusammenarbeit unterschrieben. „Wir haben viele Gemeinsamkeiten und wollen unsere Zusammenarbeit in allen Bereichen ohne Ausnahme entwickeln“, sagte der Krim-Premier Sergej Aksjonow bei einem Treffen mit Tatarstans Republikchef Rustam Minnichanow vor der Unterzeichnung des Dokuments.

Loading...

Tartarstan ist eine Autonome Republik im östlichen Teil des europäischen Russland. Sie liegt westlich des Ural in der osteuropäischen Tiefebene am Zusammenfluss von Wolga und Kama. Ihre Einwohnerzahl beträgt annähernd vier Millionen, gut die Hälfte besteht aus Tataren, gefolgt von rund 40 Prozent Russen und einigen europäischen und asiatischen ethnischen Splittergruppen.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.