Ein frei konvertierbarer chinesischer Renminbi ist für die Banker in New York ebenso ein Alptraum wie ein ebensolcher Rubel. Doch alle politischen Schwüre im Westen, die von Einigkeit und Werteordnung handeln, sind schnell vergessen, wenn andere Werte ins Spiel kommen, nämlich diejenigen des Geldes.

Von Florian Stumfall

Die Vereinbarung wurde getroffen, als kürzlich der chinesische Staatspräsident Xi Jin Ping Deutschland einen Besuch abstattete: Die chinesische Währung soll ungehindert die europäischen Kapitalmärkte erreichen können und zwar über die deutsche Bankenmetropole Frankfurt. Hier wird eine Clearing-Bank errichtet werden, die den beschleunigten Zufluss von, so wird erwartet, großen Mengen Geld aus dem volkreichsten Land der Erde ermöglichen soll. Es wird die erste Clearing-Stelle dieser Art in ganz Europa sein. Keine andere der verschiedenen Abmachungen, die angesichts des Staatsbesuches getroffen worden sind, dürfte so weitreichende Folgen haben wie diese. Frankfurt als Drehscheibe des Renminbi – das eröffnet ungeahnte Perspektiven.

Die Vertreter der Deutsche Bundesbank und die People’s Bank of China unterzeichneten in Berlin die Absichtserklärung, die, wie Präsident Xi unterstrich, einen „wichtigen Schritt auf dem Weg zur Internationalisierung unserer Währung“ darstelle. Für die deutschen Partner bedeutet das, dass „die Abwicklung von Zahlungen in Renminbi für die deutsche Realwirtschaft viel einfacher“ wird, so das Vorstandsmitglied der Bundesbank Carl-Ludwig Thiele.

Natürlich ist eine derartige Vereinbarung nicht ohne politische Implikationen, vor allem gegenüber den USA. Da eine weitere langfristige Verschlechterung der Beziehungen zwischen Washington und Peking absehbar ist, wurde dieser politische Aspekt schon im Vorfeld des chinesischen Staatsbesuches erörtert. Einen naheliegenden Schwerpunkt bildet dabei die Entwicklung im südchinesischen Meer, wo Peking verschiedene Inselgruppen beansprucht, die Japan als die ihrigen reklamiert und darin von den USA unterstützt wird.

Überraschenderweise unternahmen die deutschen Gastgeber keinerlei Versuche, sich vor einer Stellungnahme zu drücken, sondern erklärten, sie seien in dieser Frage absolut neutral. Das Auswärtige Amt ließ verlauten, der Bundesrepublik Deutschland sei es „völlig egal, wem diese Inseln gehören“. Das ist nicht nur eine ungewöhnliche Formulierung im diplomatischen Umgang, sondern auch eine ungewöhnliche Haltung der deutschen Außenpolitiker, die sich ansonsten nur durch vorauseilende Willfährigkeit vor allem den USA gegenüber bemerkbar machen.

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