Afghanistan – Rückzug auf Widerruf

Nach zehn Jahren Krieg, 56 Gefallenen, dem Verlust von Material im Wert von 150 Millionen Euro und der Erkenntnis, dass sie nichts erreicht hat, wird sich die Bundeswehr im Laufe des Jahres aus Afghanistan zurückziehen. Wahrscheinlich. 

Von Florian Stumfall

Also, ganz will man sich von dem Land am Hindukusch denn doch nicht trennen. Nach dem Abzug so gut wie aller Truppen sollen noch 800 Ausbilder und Spezialisten der deutschen Streitkräfte bleiben. „Spezialisten“ – das klingt sehr nach Spezialeinheiten und um solche wird es sich auch handeln. Auch Italien vollzieht einen Rückzug mit Hintertür, ebenso andere Länder der ISAF-Mission.

Doch, wie immer, machen die USA ihren Vasallen vor, was sie von ihnen erwarten. Sie werden in Afghanistan neun Basen behalten, als Grundlage und fait accompli für ein bilaterales Abkommen im Bereich Sicherheit und Verteidigung mit der neuen Regierung in Kabul. „Die Bedingungen dazu werden von den USA diktiert“, erklärte der russische Verteidigungsminister Schoigu. Er erwartet, dass der Terror an der russischen Grenze zunehmen wird. In allen Gebieten, in denen einheimische Sicherheitskräfte das Kommando übernommen hätten, verstärkten sich die Aktivitäten der bewaffneten Opposition, sagte Schoigu anlässlich einer Konferenz der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit.

Drogen AfghanistanFür Russland hat der Verbleib westlicher und vor allem amerikanischer Einheiten in Afghanistan – von der Terror-Gefahr abgesehen – auch strategische Bedeutung. Mit seiner langen Grenze zum südlichen Sibirien ist nämlich Afghanistan ein wesentlicher Bestandteil der Kette von NATO-Stützpunkten, die um fast ganz Russland herum gelegt worden sind. Vizeverteidigungsminister Antonow fragt daher nach dem Zweck der neun verbleibenden US-Basen: „Was soll das? Wozu werden sie dienen? Welche Aufgaben werden sie erfüllen?“ Und er fährt fort: „Wir wollen wissen, welche Ergebnisse ISAF gebracht hat, wie die nächste Mission sein wird und wer ihr angehören wird. Auf diese Fragen geben die USA keine klare Antwort.“

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Was die Ergebnisse angeht, so stellt sich vor allem die Frage, ob das vorübergehende Zurückdrängen der Taliban sich angesichts des Rekrutierungs-Effektes des Krieges gelohnt hat. Eines aber steht mit Sicherheit fest: Während der vergangenen zehn Jahre hat sich die Opium-Produktion in Afghanistan um den Faktor 40 erhöht, auch wenn die ISAf – siehe Bild links – immer wieder Drogen vernichtet.

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Artikelbild: Flickr / Bundeswehr CC-BY-ND 2.0

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