Abstruse Vorwürfe gegen Janich und die PdV: Libertäre Nazis und Verschwörungstheoretiker

Wenn es darum geht, politisch Andersdenkende zu diffamieren, bieten sich wahlweise die "Verschwörungstheoretikerkeule" oder ganz simpel die "Faschismuskeule" an. Um das zumindest fadenscheinig zu "belegen", konstruiert man beliebige Querverweise hinzu, die man natürlich noch mit entsprechend bösartigen Adjektiven versieht. So geschehen in einem Communityartikel des "Freitag" mit der PdV und Oliver Janich.

Von Marco Maier

Ob man jemanden als "rechts" oder "links", als "kapitalistisch" oder "sozialistisch" bezeichnen kann, dürfte beinahe immer eine subjektive Bewertung sein. Für mich als grundsätzlich eher liberalen Menschen, der gerne mal von "Linken" als "Rechter" und von "Rechten" als "Linker" bezeichnet wird, gehen die Anschuldigungen von Klaus Ehrlich gegen Oliver Janich und die libertäre Kleinpartei "Partei der Vernunft" jedoch zu weit. Muss man sich wirklich auf das Niveau einer Jutta Ditfurth herablassen, um unliebsame politische Ansichten zu desavouieren?

In einer kruden Melangerie aus AfD, PdV und Holocaust versucht der Berliner Klaus Ehrlich diese drei nichts mit einander zu schaffen habende Dinge miteinander zu verknüpfen. Wie er darauf kommt? Zumindest von der zunehmend rechtskonservativen AfD aus baut er die Brücke zur radikalkapitalistischen (libertären) PdV, weil AfD-Chef Lucke die PdV dazu aufrief, überzulaufen. So heißt es in seinem Artikel: "Die Professorengemeinschaft der AfD hat keine Scheu mit solchen Menschen gemeinsame Sache zu machen! Schlimmer noch, die PdV wurde explizit dazu eingeladen, sich an der Gründung der AfD zu beteiligen!"

Toll. Wenn die NPD die Linkspartei aufruft sich ihr in einer Querfront anzuschließen, sind dann die Linken auch plötzlich allesamt Rechtsextreme? Offenbar genügt es schon, wenn eine Partei nur auf die Idee kommt, mit einer anderen Partei zusammenzuarbeiten – ohne dass dies aufgrund politischer Differenzen dann tatsächlich auch geschieht!

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Da wir nun jedoch schon bei Oliver Janich und der PdV sind, hier der nächste Vorwurf: Die PdV würde lediglich auf 2 Säulen basieren – der marktfundamentalistischen Österreichischen Schule der Nationalökonomie und Verschwörungstheorien. Ersteres stimmt durchaus. Hayeks Werke gelten als wirtschaftspolitischer Wegweiser der Libertären. Was die "Verschwörungstheorien" anbelangt, so scheint Ehrlich trotz der erdrückenden Last an Indizien und Beweisen offenbar immer noch an der offiziellen Lehrmeinung zu den Anschlägen vom 11. September 2001 festzuhalten. Doch die Privatmeinung eines Oliver Janich als "zweite Säule" der PdV zu bezeichnen, ist doch mehr als nur lächerlich.

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Wie kommt Klaus Ehrlich nun zu der Verbindung PdV & Holocaust? Selbstverständlich über die AfD, die irgendwie über Ecken mit dem Revisionisten Horst Mahler und dessen Anwältin Sylvia Stolz. Dazu noch über den Nürnberger "Alles-Schall-und-Rauch-Stammtisch", dessen Mitglieder laut Ehrlich (ich kann das nicht bestätigen) wohl Mitglieder der PdV sein sollen. Auf deren Seite heißt es jedoch einleitend: "Der Stammtisch hat die Intention, Leute an einen Tisch zu bekommen, die kritisch und distanziert gegenüber Faschismus, Zentralismus, demokratiefeindlichen Gruppierungen und dumpfen, zensierten Massenmedien sind."

Gut, laut Screenshot wurde auf der Stammtischseite ein Video verlinkt, bei dem die Mahler-Anwältin zum Thema "Meinungsfreiheit" interviewed wurde. Ich weiß zwar nicht, ob in diesem Video strafbare Äußerungen getätigt wurden, aber offenbar darf man nach Ansicht von Herrn Ehrlich bestimmte Personen allein aufgrund ihres Weltbildes nicht zu Wort kommen lassen. So wie ich die PdV jedoch bislang kenne, steht der Libertarismus auch für die völlige Meinungs- und Redefreiheit, die nicht durch staatliche Verbote beschränkt werden sollte. Ganz zu schweigen davon, dass Libertäre und Totalitäre keine gemeinsamen Ziele teilen.

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Alles in Allem zeigt der aufgewärmte und überarbeitete Artikel vom letzten Jahr noch weitere deutliche Mängel auf. So wird Oliver Janich immer noch als Parteichef bezeichnet, obwohl er dies schon seit Monaten nicht mehr ist. Ebenso hat die PdV nicht wirklich etwas mit dem "Verschwörungstheoretiker" Christoph Hörstel (einst "Neue Mitte", jetzt "Deutsche Mitte") gemein. Genausowenig nachvollziehbar ist es, das konsequent liberale/libertäre Magazin "eigentümlich frei" gar als "rechtsnational" zu bezeichnen, nur weil dort auch ab und an ein paar Konservative zu Wort kommen dürfen. Der durchaus hochkarätige "ef-Autorenpool" sollte diesbezüglich eigentlich Bände sprechen.

Als Fazit bleibt wohl lediglich die Feststellung, dass gewisse Personen ein äußerst seltsames Bedürfnis danach haben, politisch Andersdenkende durch allerhand bösartiger Unterstellungen und fadenscheiniger Vorwürfe in ein schlechtes Licht zu rücken. Man muss Oliver Janich und die PdV angesichts der radikalkapitalistischen Ansichten nicht mögen (ich selbst habe oftmals durchaus andere wirtschaftspolitische Ansichten). Sie aber in eine rechtsextreme und verschwörungstheoretische Ecke rücken zu wollen, geht eindeutig zu weit. Insbesondere deshalb, da sich der Libertarismus in jeglicher Form gegen den Staatstotalitarismus der Sozialisten jeglicher Couleur ausspricht.

Ob der radikale Kapitalismus im Gegenzug nicht einfach eine andere totalitäre Form – nämlich jene von Kapital und Marktmacht – darstellt, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier. Wer schon Äpfel unbedingt mit Birnen vergleichen will, sollte jedoch nicht unbedingt gleich einen Obstkorb ausleeren und mit Bananen und Orangen um sich werfen. 

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2 Kommentare

  1. Danke. Es muss endlich mal Schluss damit sein jeden der weiß was am 11. September wirklich abgelaufen ist als geistig behindert darzustellen!  Es bewegt sich etwas in Deutschland das man den deutschen Frühling nennen kann!

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