Russland-Sanktionen: Es bröckelt weiter

Nachdem als erstes EU-Land Bulgarien aus der Front der blinden Boykottierer gegen Rußland ausgebrochen war, haben sich zwei weitere Länder der Union eines anderen besonnen. So hat die Abgeordnetenkammer des Tschechischen Parlaments in Prag die Wirtschaftssanktionen gegen Rußland abgelehnt. „Die Kammer hat den Vorschlag nicht unterstützt, in dem die Regierung aufgefordert wurde,  im Rahmen der EU Wirtschaftssanktionen gegen Rußland durchzusetzen“, meldete die tschechische Nachrichtenagentur CTK.

Von Florian Stumfall

Wie die Deutsche Welle berichtete, fürchtet man in Prag, Sanktionen gegen Rußland könnten zehntausende tschechischer Arbeitsplätze kosten. Der Sender beruft sich dabei auf einer Warnung der tschechischen Handelskammer. Der Unternehmer-Verband wiederum schätzt, daß 20.000 Mitarbeitern von tschechischen Firmen das Aus drohe, nicht gerechnet 30.000 weitere Stellen, die in Zulieferer-Industrie verloren gehen könnten. 

Nicht nur, daß die tschechische Bockbeinigkeit in Brüssel und Washington sauer aufstößt, die Sonderrolle, die Großbritannien spielt, ist noch bei weitem gefährlicher für das westliche Destruktions-Programm. In London nämlich hat man Direktkäufe von russischem Gas beschlossen, so die Zeitung „Huffington Post“. Das Blatt schreibt: „Das größte britische Energieunternehmen Centrica, das die Gesellschaft British Gas besitzt, wird im Oktober mit dem Direktimport von russischem Gas beginnen. Die Pläne von Centrica bleiben in Kraft trotz der diplomatischen Aktivitäten um die Ukraine und trotz des Drucks auf europäische Politiker mit dem Ziel, die Energieabhängigkeit von Rußland zu verringern.“ Vorerst importiert Großbritannien Erdgas über Deutschland, seine eigene Produktion geht jährlich um sieben Prozent zurück. 

Erleichtert  wird den Briten dieser Entschluß durch den Umstand, daß sich die USA vorerst nicht in der Lage sehen, Gas nach Europa zu liefern. Das jedenfalls sagte Jen Psaki, die Sprecherin des US-Außenamtes. Es sei für die USA wichtig, die Ukraine und die Partner in Europa zu unterstützen, aber: „In der jetzigen Situation haben wir keine Kapazitäten für den Erdgas-Export.“ Ein solcher könne frühestens Ende des kommenden Jahres erfolgen.

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Paolo Scaroni, der Chef des italienischen Energie-Riesen ENI sagte in einem Interview des „Corriere della Sera“ zu demselben Thema, Europa sei derart von russischem Gas abhängig, daß man unmöglich von einer Selbständigkeit Europas im Energie-Sektor sprechen könne.

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