Jene Urlauber die Portugal vor allem der ausgedehnten Sandstrände wegen lieben, könnten diesen Sommer eine Enttäuschung erleben. Der Katastrophenwinter 2013/2014 hat die Atlantikküste, vor allem zwischen Galizien und Lissabon, regelrecht verwüstet. Viele Plätze an denen man letzten Sommer noch erholsame Tage verbrachte, sehen heute ganz anders aus.

Von unserem Portugal-Korrespondenten Ruí Filipe Gutschmidt

Furadouro, Ovar, ist ein Fischerdorf etwa 35 Kilometer südlich von Porto. Es ist seit langem mein Lieblingsstrand, nicht nur wegen der Nähe zu meiner Wohnung, sondern vor allem, weil ich die ausgedehnte Promenade, den feinen Sand, die Sauberkeit und vielen Fischrestaurants, in denen man für wenig Geld sehr gutes Essen bekommt, liebe!

Rui FilipeJeden Muttertag, Geburtstag oder einfach nur mal so, bin ich mit meiner Mutter dorthin gefahren. Doch all das wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen, als diesen Winter schwere Stürme und Springfluten über Portugals Nordküste hereinbrachen. Das Meer hat dermaßen gewütet, dass einst breite Sandstrände, bei Flut völlig verschwinden und die Wellen an vielen Stellen direkt an die Kaimauer branden, bzw. über die Uferstraßen peitschen.

Seit Jahren versuchen die Behörden den schleichenden Verlust der Sandstrände aufzuhalten, indem sie im Frühling den Sand, den sie aus Flüssen, Hafenbecken und Stauseen gebaggert haben, zum Auffüllen an den betroffenen Stellen verwenden. Große Felsbrocken werden außerdem platziert, um die Furie des Meeres zu bremsen. Lange, ins Meer hinausgezogene Dämme, halten die Nord-Süd-Strömung vom Strand weg, da diese Strömung den Sand immer wieder südwärts zieht. Aber was ist die Ursache der Zerstörung und lohnt es sich Millionen Euro auszugeben, wenn Winter für Winter die Schäden immer schlimmer werden?

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Nun, was die Ursachen betrifft, so haben wir es mit vor allem mit menschlichen Einflüssen zu tun. Der Klimawandel und der daher rührende Anstieg des Meeresspiegels ist aber nicht der größte Einfluss. Die oben erwähnte Meeresströmung, könnte eine wichtige Rolle spielen! Sie hat ihren Ursprung im Golfstrom, der unser Wetter beeinflusst und durch den Anstieg der Wassertemperatur im Nordatlantik, vor allem aber in der Karibik, wird mehr Energie freigesetzt. Die Hurrikansaison wird jedes Jahr stärker und die Ausläufer kommen immer öfter über den Atlantik. Also haben wir enormere Strömungen, mehr und stärkere Stürme und größere Wellen, die vom aufgewühltem Nordatlantik her mit immer mehr Wucht an Portugals Westküste Tod und Zerstörung bringen.

Ja, Tod! Jedes Jahr ertrinken Leute, die das Meer unterschätzen: Angler, Spaziergänger, Touristen (viele Deutsche!), und vor kurzem erst sind 6 Studenten ertrunken nachdem sie angeblich eine Art Aufnahmeritual durchgeführt haben – mit dem Rücken zum Meer! Diese „Minitsunamis“ sind auch für die größten Schäden verantwortlich. Cafés, Snack-Bars, Restaurants, aber auch Geräteschuppen, Boote und selbst Behausungen der Fischer, Strandkörbe, WC-Häuschen und andere Infrastruktureinrichtungen der Strandbäder, Uferstraßen und Fahrzeuge – kurzum Alles was dem Meer zu nahe kommt, wird weggespült! Die Versicherungen weigern sich natürlich Bauten zu Versichern, die in Strandnähe stehen, oder sie sind so teuer das es sich nicht lohnt. Daher ist das scheinbar gute Geschäft mit dem Strandtourismus sehr risikoreich, was andere Probleme mit sich bringt. Illegale Bauten, die nicht selten den Strom von der Straßenbeleuchtung abzweigen, keine Kanalisation haben und natürlich auch keine Steuern zahlen. Es ist vorgesehen bis 2016 alle illegalen Bauten abzureißen, die nicht legalisiert werden können, oder deren Besitzer dies nicht wollen.

Doch gibt es noch andere Probleme die hausgemacht sind. Jahrtausende lang haben die Flüsse das Geröll aus den Bergen zum Meer transportiert und dabei sind die Steine immer mehr zerkleinert worden, bis sie als Sand die Strände gebildet haben. Doch die Staudämme und dementsprechend auch die Stauseen, verhindern genau das. Deshalb muss der Mensch, mit viel Geld diese Aufgabe übernehmen. Auch die Sandsteinfelsen und die Steilküstenabschnitte, die auf den Ansichtskarten Urlauber aus aller Welt anlocken, sind nicht ungefährlich. So manche Badegäste, die im Schatten der Felsen ein Nickerchen machen wollten, mussten feststellen, dass der Sandstein instabil ist und sie die Warnschilder besser Ernst genommen hätten. Als 2011 eine ganze Familie unter einem viele Tonnen schweren Felsbrocken begraben wurde, hat die Fernsehreportage am Tag danach gezeigt, dass die Leute nichts dazugelernt haben! Ein paar Meter vom Unfallort lagen wieder Leute im Schatten eines instabilen Felsens! Genauso wie weiter an den Abhängen gebaut wird, die in ein paar Jahren unterspült werden. Die Behörden sollten das eigentlich unterbinden, aber nur zu oft schauen sie weg.

Zu guter Letzt möchte noch einmal darauf zurückkommen, ob es sich lohnt jedes Jahr Millionen Euro an Steuergelder in die Erhaltung der Strände zu stecken. Ich meine, im Prinzip schon. Doch sollte die EDP als Verantwortliche für die Staudämme die Hotelbesitzer und all Jene die große finanzielle Interessen haben ihren Beitrag zur Erhaltung der Tourismusinfrastruktur leisten lassen. Ich meine nicht die Fischer, die dort seit Generationen leben oder der Betreiber eines kleinen Strandcafés. Außerdem müssen die Leute, die an instabilen Hängen leben umgesiedelt werden. Der soziale Wohnungsbau ist eine der wichtigen Maßnahmen um illegale Bauten, meistens Baracken, zu verhindern. Einfach abreißen ist nicht genug, weil die Leute da bauen werden wo sie Arbeit haben und wo ihre Familie und Freunde sind – am Meer! Die Urlauber werden auf jeden Fall ihren Sandstrand vorfinden, solange das Geld nicht ausgeht!

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1 KOMMENTAR

  1. Ich hab selber mal an der Algarve-Atlantikkueste Urlaub gemacht und es war voellig friedlich, das Meer, im Dezember…

    Deswegen also bei EINER stuermischen Saison gleich Panik zu verbreiten, vor allem aber im „Hilfe, Klimawandel“-Stil, wo doch all dieser Klimakatastrophen-Schwindel vielfach widerlegt ist, finde ich ganz schoen hysterisch und unsachlich. Es gibts nicht bestaendigeres als den Wandel, sei Dir gesagt, und sich wegen 0,0025% menschengemachtem CO2 Gehalt in der Atmossphaere eine angebliche Meeresspiegelerhoehung herbeizureden ist absolut unserioes.

    Das einzige was an der Atlantikkueste Portugals eine Rolle spielt, sind die Atlantikstuerme und Meeresstroemungen, die je nach Salzgehalt und Passatwind Hoehe und Breitengrad variieren.

    Daraus sich aber irgendeinen Horror zusammenzuillusionieren von wegen „die Hurrikansaison wird jedes Jahr stärker und die Ausläufer kommen immer öfter über den Atlantik“ ist total albern und reisserisch.
    Wo sind denn die meteorologischen Beweise?! Dieser Beitrag strotzt nur so vor Klimahysteriepolemik.

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