Konjunkturprognosen setzen zu sehr auf China

Für die Jahre 2014 und 2015 gehen die meisten Analysten von einem moderaten Wirtschaftswachstum in den USA und in Europa aus. Das Problem dabei: die Schätzungen beruhen auf einem starken chinesischen Konjunkturpaket. Doch dort wackeln einige Branchen, so dass die Ernüchterung wohl auf den Fuß folgen wird.

Von Marco Maier

An positiven Aussichten mangelt es derzeit nicht. Trotz der anhaltenden diplomatischen Krise mit Russland und diversen Sanktionen soll die Wirtschaft wieder anziehen. Den Menschen werden jedoch hauptsächlich die Ergebnisse, nicht jedoch die einkalkulierten Ursachen präsentiert. Insbesondere die starke Gewichtung Chinas kehren die Analysten gerne unter die Decke der Verschwiegenheit.

Die jüngsten Konjunkturdaten aus China, welche auf ein verlangsamtes Wachstum der Realwirtschaft hindeuten, nähren die Hoffnung auf ein umfangreiches Konjunkturpaket Pekings. Obwohl weder Art noch Umfang, sowie die Auswirkungen der zu erwartenden stimulierenden Maßnahmen bekannt sind, fließen sehr optimistische Annahmen in die Berechnungen mit ein. Als Faustregel gilt: Jedes Prozent Wirtschaftswachstum in China führt – je nach Intensität der Wirtschaftsbeziehungen – zu 0,1 bis 0,2 Prozent Wachstum in Europa und Amerika.

Allerdings kriselt es derzeit vor allem im chinesischen Finanzsektor. Reiche Chinesen verscherbeln ihre Immobiien in Hong Kong um damit wieder genügend Barreserven zu haben. Aus dem Pyramidenspiel im chinesischen Finanzsektor können sie nämlich kein Geld herausziehen, da es dort an Liquidität mangelt. Zwar sitzt die chinesische Regierung auf Unsummen an US-Papieren, doch wie käme sie dazu, einen Teil davon zur Rettung kapitalistischer Spekulanten zu opfern?

Insgesamt gesehen dürften die Analysten für heuer und das kommende Jahr wohl um durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte zu positiv rechnen, wenn man alle Faktoren berücksichtigt. In der Realwirtschaft liegt einfach zu Vieles im Argen, und ein Kollaps von Teilen der chinesischen Finanzindustrie könnte zu massiven Verwerfungen an den europäischen und amerikanischen Finanzmärkten führen.

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Ein Kommentar

  1. "Zwar sitzt die chinesische Regierung auf Unsummen an US-Papieren, doch wie käme sie dazu, einen Teil davon zur Rettung kapitalistischer Spekulanten zu opfern?"

    Was heisst hier opfern?! Die brauchen sich doch nur jede Menge Sachwerte unter den Nagel zu reissen fuer die vielen Reserven an wertlosem Dollar. Sie sollten sich nur schleunigst beeilen, damit sie nicht auf dem ganzen Papiermuell sitzen bleiben, wenn es zum Dollarcrash kommt!

     

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