Europas Sezessionisten auf dem Vormarsch

Immer mehr Regionen in Europa fühlen sich im Staatsverbund nicht mehr wohl. Nicht immer geht es dabei um ethnische Differenzen, oftmals sind es auch banale ökonomische und finanzielle Gründe. Der Regionalismus löst den Nationalismus damit immer öfter ab. Europas politische Landkartet könnte durchaus etwas kleinteiliger werden.

Die Welt wird in Folge der Globalisierung immer kleiner und dennoch werden selbst Nationalstaaten für viele Menschen zum großen, fremden Gebilde. Egal ob es sich um die Trennung oder einfach auch mehr Autonomie geht – seperatistische Bewegungen erfreuen sich in ganz Europa immer größerer Beliebtheit. Das Baskenland, Katalonien, Schottland, Südtirol und Venetien sind bekannte Beispiele für starke seperatistische Stömungen in Europas Regionen.

Daneben gibt es noch die Flamen in Belgien, die sich von der französischsprachigen Wallonie trennen wollen. In Moldawien gibt es mit Transnistrien eine autonome Region welche die Unabhängigkeit anstrebt, und auf dem Balkan scheint die territoriale Frage noch nicht gelöst zu sein. Selbst hier im deutschsprachigen Raum gibt es in einzelnen Bundesländern – zum Beispiel Bayern und Vorarlberg – immer wieder Aufrufe zur Trennung vom Staat.

Für die nationalen Regierungen ist dies jedoch eine gefährliche Entwicklung. Territoriale Verluste bedeuten zugleich weniger Einfluss in wirtschaftlichen und politischen Belangen: Das Wort Deutschlands, Frankreichs oder Großbritanniens zählt eben mehr als jenes von Malta, Luxemburg oder Estland. In den Vereinigten Staaten haben California und Texas ja auch deutlich mehr Gewicht als Alaska oder North Dakota.

Schlussendlich jedoch wäre eine Welt von kleinen Staaten die regional kooperieren wahrscheinlich deutlich friedlicher und demokratischer. Große Staaten waren schon immer ein Hort von Machtkonzentration, die nicht selten von deren elitären Zirkeln zur Ausübung von militärischem und wirtschaftlichen Druck ausgenutzt wurden und werden. Manchmal berechtigt, oftmals jedoch nur zum eigenen Vorteil.

Wie sich die aktuelle Entwicklung jedoch auf die Zukunft Europas auswirken wird, lässt sich schwer abschätzen. Zwar lassen sich mit wenigen großen Staaten eher gemeinsame Entscheidungen treffen als mit vielen kleinen, doch das Gewicht der Stimmen wäre besser verteilt. Vielleicht sollten wir dies eher als Chance denn als Risiko ansehen. Europa ist so vielseitig, dass sich die regionalen Kulturen deutlich besser entwickeln könnten, ohne dabei wie bisher zu einem Einheitsbrei zu avancieren.

Loading...
Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

8 Kommentare

  1. Bei mir in Bayern ist es schon schlimm genug, dass die Münchner meinen, sie lebten im umbilicus mundi, im Nabel der Welt. Dabei wird man dort nicht mehr verstanden, wenn man sich auf Bairisch zu artikulieren versucht. Am Schlechtesten ergeht es dabei der Oberpfalz und Franken, in welch letzterem es ebenfalls sezessionistische Umtriebe gibt bis hin zu einer Frankenpartei, die aus den nördlichen drei Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken ein eigenes deutsches Bundesland machen wollen.

    Es stellt sich doch die Frage, ab und bei welcher Staatsgröße die Bürger das größte Mitspracherecht einerseits und den geringsten Zentralismus mit Fern- und Fremdbestimmung andererseits haben.

    Mein Herz schlägt für Bayern – dann erst fühle ich mich als Deutscher, und die Österreicher sind mir kulturell und von der Mentalität her viel näher als bayerische Franken, Hessen, Schwaben. Aber sind das Kriterien? und was soll mit den verbleibenden Minderheiten geschehen? Cuius regio eius et cultura – frei nach dem Augsburger Religionsfrieden?

    1. Tja, als „mitteleuropäische Promenadenmischung“ die von Schlesien und Tschechien über Niederösterreich und Vorarlberg bis in die Schweiz reicht, sowie einiger Lebenszeit außerhalb Österreichs kann ich nur den kulturellen Aspekt versuchen zu bewerten.

      Als „sozialisierter Alemanne“ sind mir die Schweiz und Schwaben oftmals näher als das bayrische Tirol. Im Endeffekt denke ich jedoch, dass die Größe einer unabhängigen/autonomen Region kaum eine Rolle spielt: Ob nun 100.000 oder 10 Millionen Menschen in diesem Gebiet leben, ist eigentlich nebensächlich. Hauptsache, man kann unter einem gemeinsamen „Dach“ leben. Allerdings denke ich, dass die Zwei-Millionen-Grenze (sofern es sich nicht um ein städtisches Ballungsgebiet handelt) zumindest in direktdemokratischer Sicht eine vergleichsweise ideale Obergrenze darstellt. Je größer ein Staatsgebilde wird, umso bürgerferner und bürokratischer muss es werden.

      Die Weigerung der Politik, direktdemokratische Elemente auf Bundesebene einzuführen ist nachvollziehbar. Stärkt man jedoch die unteren Verwaltungsebenen (Kommunen, Kreise, Regierungsbezirke und Länder) mittels einer umfangreicher Föderalismusreform, könnten etwaige Fragen je nach Bedarf auf Höhe der jeweiligen Ebene gestellt werden. Am Beispiel Bayern: Was für München gut ist, muss nicht zwangsläufig auch positive Effekte auf das Oberallgäu haben. Umgekehrt das Selbe. Ich denke, dass man damit viel mehr erreichen könnte. Und wenn es darin mündet, dass die großen Flächenländer wie Bayern, Baden-Württemberg, NRW und Niedersachsen aufgespalten werden – warum nicht? 

  2. Leute, es geht doch nicht um verallgemeinerte und verordnete Grenzen bis-ab welcher Groesse eine Region darf oder soll. Das sollte man den Leuten doch selber ueberlassen die in der Region wohnen. Dafuer sind selbstverstaendlich Plebiszite da, wird endlich Zeit dass flaechendeckend Freiheit und Fortschritt statt Bevormundung in dieser Frage einkehrt.

    @Marco
    Wieso sollten die grossen Flaechenlaender aufgespalten werden, wenn sie gar nicht das Beduerfnis danach haben? Diese automatisierte Pauschalitaet ist nicht logisch, und auch nicht wuenschenswert, wieder einen Flickenteppich von lauter Kleinstregionen wie zu Zeiten vor dem 1. deutschen Reich einzufuehren, da nach dem bekannten Motto: viele Koeche verderben den Brei ein Land unregierbar wird.
    Deswegen ist eine nationale Einheit schon gut, nur dass sie eben BASISDIREKTDEMOKRATISCH werden muss, damit sich eben alle gehoert, respektiert und beruecksichtigt fuehlen, statt von oben herab alle ueber den gleichen Kamm geschert und bevormundet!

    Insofern ist es auch seltsam dass Du behauptest, „Die Weigerung der Politik, direktdemokratische Elemente auf Bundesebene einzuführen ist nachvollziehbar. “
    Wo ist die Begruendung? FUER WEN ist sie nicht nachvollziehbar bzw. „gefaehrdend“?
    Bitte etwas deutlicher, konkreter werden.

    @Hans Dampf
    Ich habe selber mal in Muenchen gelebt, sehr schoen, aber viel zu teuer und zu schraeg ^^
    Ich mein, wenn selbst die Ur-Muenchner euch Bayrische Wald-Bewohner kaum verstehen, dann braucht ihr euch doch nicht zu wundern, oder? Lokalkolorit und Dialektmaierei hin und her, Hauptsache man wird verstanden, oder?
    Niederbayern sind kaum zu verstehen, man hat das Gefuehl mit Tschechen zu reden.
    Die Bestrebungen der Franken finde ich uebrigens gut, die haben sich schon immer von oben herab behandelt gefuehlt von den Bayern. Das ist ungefaehr so aehnlich wie zwischen Schotten und Englaendern.

    Zusammenfassen wuerde ich eigentlich nur eine einzige Region: ganz Norddeutschland oberhalb der Elbe, von Buesum bis Rostock und von Flensburg bis Hamburg, also 2 Bundeslaender in einem, die Hansestaedte aber bleiben. Grund: ueberall derselbe Dialekt mit nur geringen Abweichungen (missingsch, friesisch, holsteinisch, meckpomm). Aber das mussen die Bewohner SELBER entscheiden, ich hasse Verordnungen.

    Gruesse,
    Otto

    1. Otto, ich gehe vom politologischen Ansatz aus, dass der Grad der direkten Mitbestimmung der Bevölkerung mit der zunehmenden Einwohnerzahl abnehmen muss. Je größer ein Land (v.A. in Sachen Einwohner) ist, umso autoritärer muss die Führung sein, um das Land verwalten zu können. Ich sage nicht, dass es so sein muss, sondern dass es diese Tendenzen gibt. Vergleiche nur einmal das demokratische Indien mit dem autoritären China. Für beide Staaten wäre es sicher vorteilhafter, sich in mehrere kleinere Staaten zu trennen und sich neu zu organisieren – oder einen sehr ausgeprägten Föderalismus zu entwickeln, in denen die unteren Verwaltungsebenen eine größtmögliche Autonomie erhalten.

      Oder schau dir mal zB die Ukraine an. Die einzig praktikablen Lösungen für das aktuelle Problem der politischen Differenzen wären:

      Entweder man trennt das Land in 2 Staaten, oder man gibt den einzelnen Regionen größtmögliche Autonomie, so dass die Staatsregierung in Kiew nur noch die nötigsten Aufgaben übernimmt (Landesverteidigung, Geldwesen, usw.)

      In Sachen direkter Demokratie ein plakatives Besipel:

      Stell dir vor, in der BRD gäbe es eine Volksabstimmung über die flächendeckende Aufstellung von Windkraftanlagen. Diese würden ja vor allem im ländlichen Raum aufgestellt. Jene die in der Stadt wohnen, würden z.B. mehrheitlich dafür stimmen, weil sie mehr Ökostrom haben wollen. Jene in den ländlichen Gebieten würden mehrheitlich mit Nein stimmen, weil sie damit leben und dafür Flächen von Feldern und Wiesen opfern müssten. Da jedoch die Mehrheit der Bevölkerung in städtischen Gebieten lebt, gewinnen nun die Befürworter die Abstimmung. Jene die jedoch direkt davon betroffen sind, werden von jenen die es nicht betrifft überstimmt.

      Außerdem Otto: Wenn ich anfangen muss, jegliche Aussage in meinen Beiträgen noch ellenlang zu erläutern damit du zufrieden bist, schaffe ich nur noch 3-4 Artikel pro Woche…

  3. Na ja, Marco, Du musst nicht, Du kannst… ;D

    Ich weiss ja nicht, welches Pensum Du Dir selber setzt, bzw. Dir von Andre setzen laesst. Auf der anderen Seite zwingt dich ja keiner zu diskutieren, und bei den meisten Beitraegen wie ich sehe sagst Du ja auch nichts zu den Kommentaren der Leute. Du bist halt keiner der sich gern vertieft in Diskussionen. Das haelt jeder Blogbetreiber wie er will. Z.B. stuerzen sich ein Daniel Neun von Radio Utopie oder ein Michael Nickles von nickles.de wahnsinnig gern in Gespraeche, viele andere auch. Du bist eben nicht so ein Typ.
    Es sei denn, Du magst es nicht, wenn man auffaellig zu kurz gesprungene Aussagen von Dir hinterfragt. Du musst sie ja nicht weiter erklaeren, wenn Du denkst es sei schon genug. Die Nachfrage bleibt dann aber weiter offen im Raum stehen.
    Ich werde Dich also weiterhin befragen, wenn mir danach ist – ob Du dann antwortest bleibt ja bei Dir. Du musst wissen wo Dein Schwerpunkt liegt – buergernaher Talk oder Produzieren Produzieren, Schaffen Schaffen… Am besten ist die Balance dazwischen, meine ich.
    Haettet ihr mehr Redakteure koenntest Du dich mehr zuruecklehnen… falls Du kein Workaholic bist ;P

    Ich ziehe weiter ein paar Aussagen von Dir einer kritischen „Untersuchung“ aus:
    Dein Ansatz, dass der Grad der direkten Mitbestimmung der Bevölkerung mit der zunehmenden Einwohnerzahl abnehmen muss, -d.h. je größer ein Land (v.A. in Sachen Einwohner) ist, umso autoritärer muss die Führung sein, um das Land verwalten zu können, – finde ich nicht logisch, sondern sehe es eher als ungeeignete Massnahme alleine dadurch, dass es nichts als Aerger und Widerstand in der bevoelkerung erzeugt. Da ich nun ein paar mehr Jahrzehnte auf dem Buckel hab als Du weiss ich nur zu gut glatte „politologische“ Theorie von der Praxis zu unterscheiden, denn abstrakte ideologische Konzepte ohne Mitwirkung der Betroffenen selber sind immer gescheitert. Sie sind nicht gewachsen sondern aufgesetzt, dieses Prinzip wirkt einfach nicht, davon muss man sich endlich loesen.
    Ja alleine schon dieses „autoritaer“ hoert sich nach Biegen und Brechen an, bis zum bitteren Ende und Erbrechen ;] Ich setz dem ein menschlicheres Konzept entgegen, das paedagogische. Denn die jahrzehntelange Praxis zeigt, dass man gegen den Willen der „Zu Erziehenden“ nur Krampf und Widerstand erzeugt wird, da man nicht versucht sie zu ueberzeugen und einzubeziehen, sondern ueber ihre Koepfe hinweg zu entscheiden und aufzuzwingen. Das ist falsch. Deswegen gibt es Wutbuerger und Unruhen in ganz Deutschland und Europa, deswegen haben die Leute die Schnauze voll von diesen angeblichen „Volksvertretern“, die nie welche waren.

    Die Tendenzen die Du siehst sehe ich nicht. Im Gegenteil, je mehr regionale Vertretungen und Raete, umso groesser die Zufriedenheit. In den meisten Dingen brauchen wir sowieso keine Vertretung, wir koennen uns selber vertreten wenn es uns wichtig ist. Da ich selber als einer von weiteren Menschen in unserem Stadtteilrat bin, kenne ich basisdemokratische Prozesse kenne und kenn ich die grossen Vorteile dieses Verfahrens. Niemand braucht Unsympathen die autoritaer herrschen wollen, es geht voellig ohne sie. Wer Vertreter ist, hat fuer einen kurzen Zeitraum umzusetzen was ihm aufgetragen wird und damit hat sichs. Wem das gegen den Strich geht, der braucht nicht Vertreter zu werden, denn sonst muss er mit Misstrauen rechnen, dann ist er/sie einfach nicht dafuer geeignet.
    Das einzige was verlangt wird ist Fachkompetenz und Durchsetzungskraft, Energie und glaubwuerdiges uneigennuetziges Engagement. Wer sich da dann wie ein Saddam auffuehrt hat den Sinn von Demokratie nicht verstanden.

    Zu deinen Beispielen… interessante Ansaetze, dazu komme ich ein andermal, es ist schon spaet 🙂

    1. Ich würde gerne mehr diskutieren, wenn ich die Zeit dafür hätte, Otto. Aber ein Tag hat nun Mal nur 24 Stunden, und davon sollten auch noch einige für Schlaf und etwas Freizeit da sein. 😉

  4. Die Regionaliserung und Völkisierung wird auf der ganzen Welt betrieben nicht nur in EU.

    Ob Zerstörung von Nationen, Ländern oder Familien sowie Genderung in 52 Geschlächter (lt. Farcebock)
    Dazu noch Überfrendungen. So bekommt mann alles klein.

    Es sind nur die Gleichen Medalien in einigen Pregungen.
    Teile und Hersche.

  5. Bereits 1870 schrieb der bayerische Politiker und Journalist Dr. Sigl in der Zeitung 'Das bayerische Vaterland' zur Gründung des "Deutschen Reiches": Mehr Kriege, mehr Tote, mehr Krüppel und mehr Steuerzettel! Diese politische Weitsicht beschreibt in seiner Kürze genau die Schrecken der nachfolgenden Jahrzehnte bis Heute. Deutschland ist wirtschaftlich zu groß für Europa und politisch zu klein um in Europa den Weg vorzugeben.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.