Noch während des Ersten Weltkriegs, im Jahr 1916, handelten der Vertreter Englands, Mark Sykes, und der französische Diplomat Francois Picot aus, wie der Nahe und Mittlere Osten bei einem Friedensschluß gestaltet werden sollte, nämlich als Kolonien der beiden Alliierten. Picot zog alle über den Tisch, die Engländer, die Türken und nicht zuletzt die Araber, denen der britische Hochkommissar in Ägypten, Henry McMahon, die Unabhängigkeit versprochen hatte. Im großen und ganzen gelten die Grenzen von Sykes und Picot noch heute. Ungefähr und vorerst.

Von Florian Stumfall

Den Gedanken, daß man daran etwas ändern könnte, faßte als erster ein hoher israelischer Beamter im Außenministerium in einem Plan zusammen. Es war Obed Yinon, ein enger Mitarbeiter des damaligen Außenministers Ariel Sharon. Sein Plan sieht vor, das gesamte Gebiet von der Türkei über die Arabische Halbinsel bis hin nach Pakistan neu zu ordnen. Die Leitlinie ist: die ganz Weltgegend zu fragmentieren und schwache politische Einheiten zu schaffen, die Israel nicht gefährlich werden können. Danach würde Saudi-Arabien ebenso zerstückelt wie die Türkei und Pakistan. Der Yinon-Plan wurde offizieller Bestandteil der israelischen Außenpolitik und mehr noch: auch die USA haben ihn übernommen und um die nordafrikanischen Länder erweitert. Der Unterschied zum Sykes-Picot-Abkommen aber ist der: Während diese beiden ihren Plan für die Zeit nach dem Krieg entwickelten, fangen die USA Kriege an, um ihren Plan voranzubringen.

Denn vor diesem Hintergrund werden manche Entwicklungen in der arabischen Welt klar. Die Kriege gegen den Irak ebenso wie gegen Libyen und Syrien gehören in diese Strategie. Auch die Entwicklung in Ägypten paßt da hinein: Was ein ignoranter und naiver Westen als den „arabischen Frühling“ bezeichnet hatte, ist ein großangelegter Plan zur Zerstörung des politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gewichts der arabischen Welt. 

Saudi-Arabien und die Emirate bleiben vorerst verschont; Ägypten hat sich selbst zerstört und, besser noch, jetzt wieder eine von den USA abhängige Militärdiktatur. Andere Länder mußte man mit Krieg überziehen. Vor allem in Libyen und Syrien ist die Vorgehensweise der CIA deutlich erkennbar: zuerst heizt man örtliche Verwerfungen und Spannungen an. Dann schickt man Agenten ins Land, die Geld und Waffen mitbringen. CIA-Kampfeinheiten und Söldner machen gemeinsame Sache mit der al Kaida und anderen Extremisten. Wenn dann das Land schon in Flammen steht, muß die NATO kommen, um im Sinne des Völkerrechts und der Menschlichkeit alles, was noch steht, zusammenzubomben.
Diese Strategie erklärt auch die scheinbar irrationale Feindschaft sowohl Israels als auch der USA gegen den Iran. Dieser bringt mehr Potential und Stabilität auf die Waage als die arabischen Länder und bildet somit ein schwer zu überwindendes Hindernis für den Yinon-Plan. Am Iran wird sich das Schicksal den Nahen und Mittleren Ostens entscheiden, wenn nicht gar das Schicksal der ganzen Welt.

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5 KOMMENTARE

  1. Sehr interessant!! Werde mich damit beschäftigen. Sehr logisch und vergleicht man das mit dem aktuellen Geschehen, so sieht erkennt man auch die Motive besser.
    Ich hoffe die Russen und die Chinesen werden diesen Ungehäuern das Handwerk legen.

  2. Lieber Florian Stumfall

    Zum erstenmal lese ich hier Beiträge, die wirklich der Wahrheit entsprechen. Prima!

    Seien Sie mit dem Wort weiterhin ein Weckruf, damit auch Deutschland wach wird, und somit auch viele andere Länder die Deutschland in Europa als Vorreiter sehen Hoffnung bekommen. Nicht mehr diese Lügen die man andauernd serviert bekommt.

     Die neue Weltkraft wird China und Russland. Die Inder kommen nach. Der Iran kümmert sich langfristig um Nahosten und stabilisieren was die USA, seit Jahrzehnte systematisch aus Gier zerstörten. Halb Orient haben sie zerstört.  Die USA hatten den Iran unterschätzt und langfristig verloren. Wir (die Iraner) mögen Deutschland und wollen das Land in der Welt als ein starkes sehen. Ein starkes Deutschland ist ein starkes Europa. Das geht nur wenn sie/ihr endlich wach werden(t) und die Russen nicht als "Feinde" betrachtet und der USA alles erlaubt und glaubt und als Schutzmacht und Retter "verherrlicht". Das sind sie nicht.

    An die USrael : Nicht Aggression, sondern Harmonie ist ewig beständig. Das ist ein universelles Gesetz. Nicht dummweit sonder Weisheit siegt, das ist ein biblisches Gesetz. 7000 Jahre Hochkultur ist nicht der Islam. Es ist Persien.Dises Land pfeilt euch die Reisszähne rund. Frieden braucht euch nicht.

  3. Ich glaube ausser dem Iran, hat die Türkei da noch ein Wort mitzureden. Ich seh die Regierung Erdogan (noch) nicht als totale Marionettenliga der USA an. Überhaupt nicht. Zudem haben sie militärisch extrem viel zu bieten. Der letzte Satz sollte eher "Am Iran und der Türkei wird sich das Schicksal….." lauten. Vielleicht seht Ihr das aber auch anders. Das wird jedenfalls noch ne ganz heisse Sache dort..

  4. Im Gegensatz zu Russland, China oder Iran sitzen Israelis weltweit an den wichtigsten Posten. In den Regierungen der IWF, Europäische Zentralbank, Facebook, googel, apple, mikrosoft, twitter, youtube, yahoo und und und…wir enden alle mit einem Chip am Hals

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