Der Dollar wackelt – Streit im Internationalen Währungsfonds

Am 10. April beginnt in Washington die Jahresversammlung der Internationalen Währungsfonds (IWF). Dabei wird ein Thema aufs Tapet kommen, das den Gastgebern gar nicht gefällt. Denn die Schwellenländer, vor allem die BRICS-Staaten Brasilien, Indien, China und Südafrika, erinnern vehement an die Reformen für den IWF, die im Jahr 2010 beschlossen worden waren. Es geht dabei im wesentlichen um eine Neuverteilung der Stimmrechte.

Von Florian Stumfall

Zwar sollen die BRICS-Staaten nach der Reform 2010 mehr einzahlen, daß sie aber, wie vorgesehen, auch mehr Stimmrechte bekommen, verhindert bislang ein Veto aus den USA. Sie werden dabei von den Europäern unterstützt. Diese „erfreuen sich eines übermäßig hohen Einflusses, sind bemerkenswert überrepräsentiert und genießen es, daß die USA mit dem Reformprozeß nicht vorankommen”, meint Jo Marie Griesgraber vom internationalen Netzwerk ‘New Rules for Global Finance Coalition’ mit Sitz in Washington.

Es wird bereits davon geredet, daß sich die BRICS-Staaten langfristig vom IWF lossagen könnten, wobei der Rausschmiß Rußlands aus dem Kreis der G8 die Stimmung für eine derartige Reaktion noch deutlich befördert hat. Im Februar erklärte Indiens Wirtschaftsminister Arvind Mayaram in Syndey, ein Scheitern der Reform des IWF könne dessen und die Legitimation der G20 ernsthaft in Frage stellen. “Möglicherweise haben wir es mit dem ersten sichtbaren Scheitern der G20 zu tun”, so der Minister. Die Durchsetzung der Reform, so fuhr er weiter, sei entscheidend für  “Glaubwürdigkeit, Legitimität und Wirksamkeit des IWF”.

Beobachter sehen diese Möglichkeit in einem engen Zusammenhang mit einer weiteren, zumindest ebenso folgeschweren. Es ist denkbar, daß sowohl Rußland als auch China auf eine Gold-Deckung ihrer Währungen hinarbeiten, sie konvertibel machen und ihren Erdgas- und Öl-Handel dann in Rubel und Renminbi fakturieren. Damit wäre der Dollar faktisch als Weltreserve-Währung abgeschafft. Ein derartiger Umbruch würde sogar die wahren Verhältnisse widerspiegeln: Rußland hat mit zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes praktisch keine Staatsschulden. Der Regierung ist es per Gesetz verboten, einen ungedeckten Haushalt vorzulegen. Die US-Schulden hingegen sind von 55 Prozent im Jahre 2000 auf 112 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Und es werden täglich mehr, weil die FED monatlich rund 50 Milliarden Dollar druckt. Auch wenn das eingestellt werden sollte, hilft das nicht: Es sind bereits so viele Dollar im Umlauf, daß die Währung tatsächlich nichts mehr wert sein wird, wenn sie die Funktion als Leitwährung einbüßt.

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Rußland und China jedenfalls haben keinerlei Veranlassung, auf die USA irgendwelche Rücksichten zu nehmen. Und es wäre nicht das erste Mal, daß Putin den US-Präsidenten mit überlegener Eleganz ausspielt.

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Artikelbild: Blog do Planalto CC-BY-SA 2.0

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2 Kommentare

  1. UN, BRICS, NATO, IWF, Reichstag etc. das alles ist mir scheissegal. Das sind nicht meine Repräsentanten, ich habe die nicht gewählt oder denen ein Mandat gegeben meine Interessen zu vertreten. Alle die meine Freiheit einschränken, das als Geld zu nutzen was ich für  richtig halte sind in meinen Augen Kriminelle, da sie mich nur durch Androhung oder Ausübung von Gewalt daran hindern können meine Freiheit wahrzunehmen.

    1. Richtig, ein wahres Wort! Sehe ich auch so.

      Im Grunde genommen leben wir in einer veralteten Vorstellung von dem, was eigentlich Demokratie bedeutet. Wir waehlen angebliche „Repraesentanten“ die gar keine sind, und haben nirgendwo mitzubestimmen geschweige denn selbst zu bestimmen. Es ist also eine Plutokratie, wo nur diejenigen gewaehlt werden, die vorher von Elitisten ausgesucht wurden, um auch nur deren egoistische Interessen zu vertreten. Von echter direkter Basisdemokratie keine Spur, ganz zu schweigen vom noch nie gesehenen Einsatz fuers Gemeinwohl.

      Dabei koennen wir sehr wohl fuer uns alleine sorgen, denn das Prinzip Runder Tisch funktioniert, ich habs oft genug in der Praxis erlebt. Denn Du und ich und WIR ALLE koennen uns SELBER VERTRETEN, wir brauchen niemanden, der so tut als wenn er uns das abnimmt. Wir beraten und stimmen uns kommunal und regional fuer unsere Belange vor Ort pragmatisch und praktisch ab, ohne Ideologie und Bevorzugung von Egointeressen. Dieses muss dann in landesweite Runde Tische uebertragen werden.

      Heuchler- und Handlangerparteien wie CDU/SPD und ihre Anhaengsel werden das NIE fuer uns umsetzen, daher muessen sie WEG! Sie sind nicht demokratisierbar, weil ihr Existenzzweck auf Abfangen und Ausbremsen von Volkswillen beruht, sie sind schlicht und einfach nicht unsere Vertreter, dafuer wurden diese Parteien nicht geschaffen.

      Also hoert auf weiter in Illusionen zu schwelgen, und lasst sie uns gemeinsam aus dem Parlament werfen so wie die FDP, damit endlich ECHTE basisdemokratische Parteien unseren Waehlerwillen ernst nehmen (solange sie nicht von Agenten des Geldadels unterwandert werden).
      Und da gibt es genug Auswahl, schliesslich sind ueber 50 Parteien zur letzten Bundestagswahl 2013 angetreten. Vorschlaege: Die Violetten, die OeDP, die AfD, die Freien Waehler, die Neue Mitte.

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