Die nächtlichen Ausschreitungen am Kiewer Maidan-Platz forderten einen hohen Tribut. Ersten Angaben zufolge sollen während des Versuchs der Räumung des Platzes 23 Menschen getötet und knapp 600 Menschen – teilweise schwer – verletzt worden sein.

Der ukrainische Parlamentsabgeordnete Oleg Tsarjow verkündete heute Nachmittag die vorläufigen Opferzahlen, die in Folge der Eskalationen während der versuchten Erstürmung des Maidan-Platzes durch Polizei und Berkut-Einheiten zu beklagen waren. Demnach wurden 10 Beamte getötet und 350 in Krankenhäuser eingeliefert. 74 davon mussten wegen Schusswunden behandelt werden. Auf der Seite der Demonstranten gab es 13 Tote, 240 weitere Personen wurden in den Krankenhäusern aufgenommen.

Ein nächtliches Krisentreffen zwischen Präsident Janukowytsch und den beiden Oppositionsführern Jazenjuk und Klitschko blieb ergebnislos. Danach forderte Vitali Klitschko den Westen zur Intervention auf. Die Spitzen demokratischer Staaten dürften nicht tatenlos zusehen, "wie ein blutiger Diktator sein Volk tötet", so Klitschko. Während die Oppositionsführer die Menge noch anstachelten, versuchte Janukowytsch das Volk zu beruhigen, und rief zur Besonnenheit auf: "Nichts auf dieser Welt ist es Wert auch nur einen Tropfen Blut dafür zu vergießen. Gott gab dem Menschen die Sprache, um zu ermöglichen, sich auszutauschen!"

Allerdings kritisierte er das Vorgehen der Opposition mit scharfen Worten: "Es hat ein Dialog stattgefunden. Wir haben zwei Amnestien vereinbart – die Erste im Dezember, und die Zweite am 17. Februar. Und bereits einen Tag danach riefen die Führer der Opposition zum bewaffneten Kampf auf. Sie warteten nicht einmal auf die Eröffnungssitzung des Parlaments. Die Opposition handelt ohne das Mandat des Volkes, illegal. Sie verletzt die Verfassung der Ukraine und Versucht mittels Brandstiftung und Mord sowie neuen Ausschreitungen die Macht zu ergreifen." Janukowytsch wies darauf hin, dass ohnehin bald schon Wahlen anstehen würden und sich die Opposition dort beweisen könne.

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Inzwischen wollen die Europäische Union und die USA Sanktionen gegen die Ukraine verhängen und damit die ukrainische Regierung bestrafen, die sich jedoch nur so verhalten hatte, wie es jede Staatsführung angesichts gewalttätiger Proteste machen würde. Wie würde Berlin handeln, wenn 50.000 Menschen monatelang auf dem Platz der Republik in Berlin kampieren, und von dort aus Angriffe mit Brandsätzen und Äxten auf den Bundestag und das Bundeskanzleramt führen würden?

 

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