Heute vor 80 Jahren begann die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der Sozialisten, Kommunisten, sowie deren Milizen auf der einen, und den christlich-sozialen Regierungstruppen, sowie deren Milizen auf der anderen Seite. Nach dem Verbot von SDAP und KPÖ und der von der Regierung Dollfuß angeordneten Entwaffnung der Sozialisten, kam es zu ersten Gefechten.

Die Erste Republik war geprägt von massiven politischen Auseinandersetzungen zwischen den sozialistischen Gruppen und Parteien, sowie den christlich-konservativen Kräften. Ein Anschluss an Deutschland, den alle politische Kräften mit Ausnahme von Kommunisten und Monarchisten anstrebten, wurde von den alliierten Siegermächten untersagt. Hyperinflation und Wirtschaftskrise sorgten in den ersten Jahren der jungen Demokratie zu einer zunehmenden Radikalisierung der Bevölkerung, die sich in einer zunehmenden Polarisierung bemerkbar machte.

Mit der Radikalisierung und Polarisierung entstanden auch die paramilitärischen Milizen. Auf der rechten Seite war dies die Heimwehr, welche sich aus Konservativen und Deutschnationalen zusammensetzte, auf der linken Seite der Republikanische Schutzbund. Hinzu kamen noch kleinere Gruppen von nationalsozialistischen Verbänden.

Erste größere bewaffnete Auseinandersetzungen gab es schon im Juli 1927, die in der Erstürmung des Justizpalastes und von Polizeiwachen mündeten, woraufhin die Polizei die Aufstände mit Waffengewalt auflösten. Im März 1933 folgte dann die Ausschaltung des Parlaments und die Errichtung des Ständestaats. Die daraufhin folgende Entwaffnung der sozialistischen Milizen eskalierte schlussendlich am 12. März 1934, als bei der Erstürmung des Linzer Parteiheims eine bewaffnete Gegenwehr erfolgte. In den folgenden drei Tagen kam es insbesondere in den Industriestädten und in Wien zu teils umfangreichen Kampfhandlungen, bei denen mehrere hundert Menschen getötet wurden. In vielen Bundesländern blieb es jedoch ruhig. Der bekannte Schriftsteller Stefan Zweig schrieb als Zeitzeuge darüber:

„Wer sich vorgesetzt hat, ein möglichst ehrliches und anschauliches Bild seiner Zeit zu geben, muß auch den Mut haben, romantische Vorstellungen zu enttäuschen … So sonderbar es scheinen mag: ich war an diesen historischen Februartagen 1934 in Wien und habe nichts gesehen von den entscheidenden Ereignisse, die sich in Wien abspielten und nichts, auch nicht das mindeste davon gewußt, während sie geschahen. Es wurde mit Kanonen geschossen, es wurden Häuser besetzt, es wurden Hunderte von Leichen davongetragen – ich habe nicht eine einzige gesehen. … Alles ging im innern Kreise der Stadt ebenso ruhig und regelmäßig weiter wie sonst, während in den Vorstädten der Kampf wütete, und wir glaubten töricht den offiziellen Mitteilungen, dass alles schon beigelegt und erledigt sei.“

Gegen die Übermacht von Bundesheer, Polizei, Gendarmerie und Heimwehr hatte der Republikanische Schutzbund keine Chance, so dass der Aufstand auch mangels Unterstützung in der Bevölkerung schon am 14. Februar vorbei war. Die Regierung Dollfuß hatte gesiegt.

Artikelbild: Soldaten des Bundesheeres während des Aufstandes vor der Staatsoper in Wien. Bild: Bundesarchiv

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