(mm) Der Reichtum an Rohstoffen wurde vielen Staaten zum Verhängnis. Teilweise in Folge von Steuergeschenken, manchmal durch korrupte Netzwerke, und wie im Fall der Niederlande mittels Wirtschaftsboom und extrem steigenden Lohnkosten. Dass es auch anders geht, zeigt Norwegen, dessen Staatsfonds ein Vermögen für die Zukunft des Landes verwaltet. Russland könnte von diesem Modell profitieren.
Viele Rohstoffe im Land zu haben kann Fluch und Segen zugleich sein. Sie wecken Begehrlichkeiten im In- und Ausland, können einerseits den allgemeinen Wohlstand mehren, andererseits jedoch ebenso die sozialen Ungleichheiten verschärfen, und zudem die dringend nötige Diversifikation der Wirtschaft verhindern. Dass der Rohstoffreichtum nicht zwangsläufig zu einer wohlhabenden Gesellschaft führt, beweisen viele afrikanische und vorderasiatische Länder: Die Ausbeutung von Erdöl, Erdgas, Kohle, Gold, Diamanten und den von der Industrie begehrten Metallen erfolgt meistens durch Konzerne aus den Industrieländern. Während die Gewinne vorwiegend an die Aktionäre in Nordamerika und Westeuropa fließen und nur eine kleine Oberschicht in den Förderländern mit Geld überschüttet wird, werden die - leider nicht selten korrupten - Regierungen nur mit Almosen abgespeist. Damit partizipiert die breite Masse der Bevölkerung nicht am theoretischen Reichtum ihrer Heimat.
Die Norweger hingegen zogen ihre Lehren aus den weltweiten Beispielen und investieren die Gewinne aus der Ölförderung fast ausschließlich in ihren Staatsfonds. Rund 600 Milliarden Euro ist dieser Fonds, der weltweit in Aktien (60%), Anleihen (39%) und Immobilien (1%) investiert, inzwischen schwer. Damit besitzt jeder der knapp über 5 Millionen Norweger theoretisch ein Guthaben von 120.000 Euro, welches von diesem Fonds mit günstigen Managementgebühren von nur 0,07% verwaltet wird. Zum Vergleich: Private Fondsgesellschaften verlangen nicht selten Verwaltungskosten von 1,5% im Jahr. Damit es Norwegen nicht so ergeht wie den Niederlanden in den 1970ern, dürfen maximal 4% des Fondsvermögens in den Staatshaushalt fließen.
Wenn nun die Russische Föderation einen ähnlichen Staatsfonds aufbaut, der 10% der Einnahmen aus den Rohstoffexporten erhält, könnten damit in etwa 25 Milliarden Euro pro Jahr für die Zukunft investiert werden. Zwar verfügen die beiden großen russischen Staatsfonds - der "Nationale Sozialfonds" (64,4 Milliarden Euro) und der "Reserve Fonds" (63,3 Milliarden Euro) - schon über ein beachtliches Vermögen, doch mit einem Zukunftsfonds könnte Russland wahrscheinlich deutlich mehr erreichen. Wie die Beispielgrafik rechts zeigt, könnte das ganze Land davon profitieren.
Immerhin werden selbst die umfangreichsten Reserven an Rohstoffen irgendwann erschöpft sein, so dass laufende Investitionen in die Infrastruktur, die Bildung, die Wissenschaft und die wirtschaftliche Diversifikation das Land auf die Zukunft vorbereiten. So kann man damit beispielsweise den Maschinenbau fördern, um Russland weniger von Importen wichtiger Geräte abhängig zu machen,.Bildung und Forschung sind ebenso wichtig, um damit eine positive Grundlage für den Wohlstand der russischen Gesellschaft zu schaffen.
Zudem würde ein langfristig angelegter Zukunftsfonds dabei helfen, wirtschaftliche Schwächephasen zu stabilisieren, und deren Auswirkungen abzumildern. Mittelfristig wären damit - je nach Entwicklung des Fonds - Investitionen in Höhe von 1-2% der Wirtschaftsleistung möglich, ohne den regulären Staatshaushalt belasten zu müssen. Darf man so eine große Chance ungenutzt lassen?
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