Das klassische Einwanderungsland schlechthin sind die USA längst nicht mehr. Ohne bestimmte Qualifikationen oder genügend Investitionskapital, bleibt vielen Menschen die Türe verschlossen. Doch die scheinbare Attraktivität der Vereinigten Staaten für Spezialisten verschiedener Fachgebiete, sorgt für einen technologischen Vorsprung durch Zuwanderung.

Von Marco Maier

Schon nach Ende des Zweiten Weltkriegs war klar, dass insbesondere die deutsche Forschungselite für die US-Institutionen gewonnen werden musste. Ohne von Braun oder Hermann Oberth, sowie über 500 weitere Wissenschaftler und Ingenieure die im Rahmen der "Operation Paperclip" und nachfolgender Rekrutierungen in die USA verbracht wurden, hätte es beispielsweise längere Zeit kein US-Raumfahrtprogramm gegeben. Von den konfiszierten Patenten und Industriegeheimnissen ganz zu Schweigen. Schon zuvor sorgten Emigranten – wie zum Beispiel Albert Einstein – dafür, dass die USA überhaupt technologisch aufholen konnten.

Später dann folgten nach und nach Experten und Spezialisten aus aller Welt dem Ruf der Dollars. Der Aufstieg der USA wurde durch den massiven Brain Drain ermöglicht. Deutsche, Russen, Chinesen, Inder – ohne sie gäbe es wohl kein Silicon Valley, kein Hollywood und keine Raumfahrt. Selbst die großen Universitäten vom MIT bis zu Harvard und Yale holen sich ständig Professoren aus dem Ausland.

Der Ruf des Dollars führt dazu, dass die vielversprechenden Kräfte – gleichsam wie von Magneten angezogen – den Weg nach Übersee antreten. War beispielsweise Deutschland noch bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Hort der technischen Innovation und der medizinischen Erfolge, so übernahmen die USA später die Spitzenrolle. Zwar gilt Deutschland nach wie vor als einer der Spitzenreiter in Sachen Patente und Innovation – doch fast nur noch im Ingenieursbereich.

In Sachen "technischer Revolution", sind die Amerikaner immer noch führend. Auch wenn die Teile von Smartphones, Computerchips und anderen Produkten inzwischen vor allem in Ostasien zusammengebaut werden, so liegt die Entwicklung nach wie vor in US-Händen. Die großen Internetkonzerne beispielsweise haben ihren Hauptsitz und die Entwicklungszentralen nach wie vor in den USA. Amazon, Ebay, Facebook, Google, Twitter – alles US-Konzerne mit globaler Reichweite, die aufgrund des finanziellen Zuflusses aus aller Herren Länder auch Mitarbeiter von überall her locken können.

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Damit jedoch saugen die USA den anderen Ländern oftmals ihre besten Köpfe ab, so dass diese in ihrer weiteren technologischen Entwicklung gehemmt werden. Zwar arbeiten die BRICS-Staaten derzeit an alternativen Systemen und Netzwerken, um damit ein Gegengewicht schaffen zu können, doch dieser Weg ist hart und steinig. Immerhin arbeiten viele der besten Köpfe aus diesen Ländern für die US-Konzerne, was das Unterfangen etwas erschwert. Doch genau das ist der Grund, warum gerade im IT-Bereich kaum Alternativen zum vorherrschenden US-System existieren.

Allerdings sind die Vereinigten Staaten auch auf den Zufluss intelligenter Köpfe angewiesen. Das US-Verdummungssystem sorgt nämlich dafür, dass zwar einige "Fachidioten" aus eigener Kraft herangezogen werden können, die Mehrheit jedoch kaum zu größeren Leistungen in der Lage ist. Zu sehr ist das amerikanische System auf Oberflächlichkeiten aufgebaut, als dass es genügend Fachkräfte in den Top-Technologiebereichen produzieren könnte. Das heißt nicht, dass die USA keine guten Köpfe aus der eigenen Bevölkerung heranzöge – allerdings viel zu wenige, um weiterhin in der internationalen Top-Liga mitspielen zu können.

Das US-Bildungssystem sorgt nämlich dafür, dass der Großteil der Kinder in schlecht ausgestatteten öffentlichen Schulen lernen müssen, während die finanzielle Oberschicht viel Geld dafür aufwendet, die Kinder in private Schulen zu schicken. Intelligente Kinder aus den ärmeren Bevölkerungsschichten haben so kaum die Möglichkeit sich zu beweisen. In Europa, wo die privaten Schulen kaum eine Rolle spielen und die öffentlichen Schulen im Vergleich zu jenen in den USA eine recht umfassende Bildung ermöglichen, ist diese Zwei-Klassen-Gesellschaft hingegen nicht so stark ausgeprägt. Selbst in den – viel geschmähten – Hauptschulen Deutschlands lernen die Kinder mehr, als in vielen öffentlichen Schulen der USA.

Es zeigt sich, dass die USA in den letzten Jahrzehnten ihren technologischen Vorsprung vor allem auf Kosten der restlichen Welt geschaffen haben. Es wird Zeit, mehr Geld in den Bereich Forschung und Entwicklung zu stecken, um damit endlich ein Gegengewicht zu schaffen, und die fähigen Köpfe auch im Land zu halten.

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3 thoughts on “Brain Drain: Der US-Fortschritt auf Kosten der Welt”

  1. Desgleichen passiert in der föderalen Bundesrepublik im Kleinen ebenso. So bilden Thüringen und Sachsen im Endeffekt Kinder & Jugendliche aus, damit diese danach in Bayern oder anderen Orten in den Beruf starten, da die Löhne & Gehälter wesentlich höher sind und mit der Dezimierung der Arbeitsplätze in den 90er Jahren auch das Angebot bei Ausbildungsstellen ein Äquivalent gefunden hat.
    Diese jungen Leute sieht das Land dann selten wieder. Folge hiervon ist ein ausbluten der Länder, sinkende Kaufkraft in der Bevölkerung, viele Alte, immer mehr verwahrlosende Städte und minderwertigere Arbeitsplätze.
    Die Frage eines „Westlers“ übrigens , weshalb er denn keine (bzw. keine in der Mehrheit so Guten) Werkzeugmacher mehr bekommt (er meinte aus dem Osten), wurde damit beantwortet, daß der Osten ja schließlich seit nunmehr 20 Jahren auch Westen sei :-D.
    Vor 24 Jahren sind den westlichen Lehrerdelegationen beim Anblick der Ausstattung der Schulen im Osten
    noch die Augen übergegangen. Die Lehrpläne, Personalausstattung und Schulen, in welchen man seinen Namen tanzen lernt, tragen jetzt auch im Osten das Ihre dazu bei, daß sich die Bundesrepublik den USA annähern wird……weiter so.

  2. Ich bemerkte im Unterrichtsmaterial des eigenen Kindes den Begriff "Brotzeitdose".

    Die Nachfrage beim Kind ergab, er weis nicht was es ist und was gemeint wäre und es hätte ihm auch niemand erklärt. Hoy, dachte ich da schaust du doch mal genauer hin.

    Man findet Kinderlieder in den Materialien deren Ursprung religiöser Art sind.

    "Singen, Tanzen und Spielen juchhey" -> Ursprung:"betet & lobet und preised den Herrn" bei gleicher Melodie.

    Hier wird flächendeckend der Nachwuchs an die bayrischen Grundwerte herrangeführt nur weil offensichtlich ein Monopol zur Verbreitung von Schulmaterialien beim Verleger in Bayern liegt.Die Lehrerschaft hinterfragt diesen Unsinn nicht, weil der Job ist wohl wichtiger?

    In Brandenburg wird die Brotzeitdose immer "Stullenbüchse" heissen, die machen unsere Kinder dumm.

     

  3. "Es wird Zeit, mehr Geld in den Bereich Forschung und Entwicklung zu stecken, um damit endlich ein Gegengewicht zu schaffen, und die fähigen Köpfe auch im Land zu halten."
    Es ist die neoliberale Denkweise die sowohl in den USA als
    auch in Deutschland das Bildungssystem ruiniert hat.
    Die ehemalige FDP (Pinkwart hieß einer von ihnen) hat hier große Verdienste? (im wahrsten Sinne des Wortes?) erworben.
    Ein Ergebnis dieser Pokitik sind befristete Anstellungsverträge für hochqualifizierte wissenschaftliche MA und Drittmitteleinwerbung die die Freiheit von Forschung und Lehre einschränken.
     

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