Die jüngsten Wirtschaftsdaten sind kein Grund zur Freude. Erst wird bei den Auftragseingängen ein Minus verzeichnet, nun kommt auch noch ein Minus bei der Industrieproduktion selbst. Allen Beteuerungen zum Trotz, dass dies nur als "einmalige Ausrutscher" zu betrachten seien, muss man angesichts des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds auch eine Rezession in Betracht ziehen.

Von Marco Maier

Für die gesamte Eurozone an sich wurde ohnehin schon eine Rezessionswarnung ausgegeben. Deutschland, welches bislang als Konjunkturlokomotive galt und trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zumindest ein kleines Plus vorweisen konnte, dürfte sich dem kaum entziehen können. Mit ein Grund dafür ist die Sanktionspolitik gegen Russland, die auch zu entsprechenden Gegensanktionen führten.

Zwar beträgt der Anteil der Exporte nach Russland nur knapp mehr als 3 Prozent des gesamten deutschen Ausfuhrvolumens, doch in anderen Ländern ist dieser Anteil deutlich höher. Diese Länder leiden nun überdurchschnittlich unter der aggressiven europäischen Politik, womit jedoch auch die Nachfrage nach deutschen Gütern über kurz oder lang sinken wird. Den kumulierenden Effekt haben die deutschen Politiker, als sie die Sanktionen mittrugen, nämlich nicht  mit einkalkuliert. Angesichts der engen Verflechtung der europäischen Volkswirtschaften sind die Auswirkungen nämlich deutlich stärker.

Die Sanktionen sind zwar nicht der ausschlaggebende Punkt der Entwicklungen, aber dennoch ein wichtiger Teil davon. Insgesamt betrachtet muss man natürlich noch die nach wie vor existente Wirtschaftskrise in der europäischen Südperipherie und die aktuellen Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten mit einbeziehen. Diese ganzen Ereignisse ergeben eben eine ungute Mischung für das exportabhängige Deutschland.

Sicher, es gäbe da noch die Binnenkonjunktur. Doch darum schert sich die deutsche Politik recht wenig. Nicht den Menschen in Deutschland soll es gut gehen, sondern der Wirtschaft. Damit ist vor allem die große Exportindustrie, bestehend aus international agierenden Konzernen, gemeint. Die marktkonforme Demokratie in Deutschland eben, in der die Märkte mehr zählen als die Menschen. Aber ohne eine starke Binnennachfrage und mit der starken Fokussierung auf die Exportmärkte muss eine eigenständige Wirtschaftspolitik langfristig scheitern. Deutschland ist konjunkturell zu abhängig von externen Einflüssen. Deshalb ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Bundesrepublik bald in die Rezession schlittert.

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