Ukraine: Wirtschaft vor dem Kollaps

Nicht nur der Krieg, den die ukrainische Regierung im eigenen Land führt, verursacht wirtschaftliche und finanzielle Probleme. Das Land befindet sich vielmehr in einer strukturellen Krise. Dazu trägt maßgeblich bei, dass die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland abgebaut worden sind. Putins Wort vom „Bumerang“ der Sanktionen trifft für niemanden mehr zu als für die Ukraine.

Von Andreas Beck

Das Land ist gezwungen, als Folge seiner politischen Umorientierung sich auch wirtschaftlich neu zu positionieren. Doch so etwas ist nie ganz einfach, nicht einmal unter regelhaften Umständen, geschweige denn während eines Bürgerkrieges. Dies sei, meint Wladimir Stoll, Inhaber des Lehrstuhls Staatlich-konfessionelle Beziehungen an der Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst Russlands beim Präsidenten der Russischen Föderation, ein qualvoller und langwieriger Prozess.

Derzeit lebt das Land von der Substanz. Doch schon ist festzustellen, dass sich der Lebensstandard der Bevölkerung drastisch senkt, und das ausgehend von einem zuvor schon nicht anspruchsvollen Niveau. Stoll: „Die Einkünfte der Menschen sind zurückgegangen, die sozialen Leistungen sind im Grunde genommen auf Eis gelegt worden. Besonders gilt das für die kommunale Wohnungswirtschaft und die Renten.“

Die Ostukraine und hier vor allem die Bezirke Donezk und Lugansk waren traditionell die Wirtschaftszentren des Landes. Im Bürgerkrieg ist es damit vorbei. Daher äußern Wirtschaftsfachleute auch pessimistische Prognosen, es ist davon die Rede, dass der Ukraine ein katastrophaler Rückgang in der Wirtschaft drohe.

Die USA und die Europäische Union stellen Kiew zwar Finanzhilfe bereit. Doch einstweilen bringe diese Unterstützung keinen besonderen Nutzen, stellt Anna Kokorewa, Analystin des Unternehmens „AlparI“, fest: „Die Hilfe, die vom IWF und den USA geleistet wird, ist nicht groß. Sie reicht mit Mühe und Not aus, um die Schulden zu begleichen, doch für kaum etwas mehr. Das heißt, für irgendwelche ernst zu nehmenden Infrastrukturbelange, für die Wiederherstellung der Wirtschaft reichen diese Gelder nicht aus. Gegenwärtig gibt die Regierung der Ukraine die Mittel im großen und ganzen für Rüstung aus. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich gerade um die Mittel handelt, die vom IWF und den USA bewilligt worden sind.“

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Anlass für Brüssel, sich Gedanken darüber zu machen, was das ukrainische Abenteuer, das die EU von den USA erbt, langfristig kosten wird.

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