Ungeachtet der zwischen Russland und der NATO ohnehin gespannten Lage wegen der Ukraine-Krise führt das westliche Kriegsbündnis im Schwarzen Meer das Manöver „See-Brise 2014“ durch. Daran nehmen Kriegsschiffe aus der Türkei, den USA, Großbritannien, Italien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien teil. Parallel dazu führt auch Russland ein Großmanöver in unmittelbarer Nähe der Krisenregion durch. Die Übung sei schon vor der aktuellen Krise um die Ukraine geplant gewesen, sagte ein NATO-Sprecher. Er wolle nicht darüber spekulieren, ob das russische Manöver absichtlich zeitgleich geplant worden sei.

Von Florian Stumfall

Für Kriegsschiffe im Schwarzen Meer, die von Ländern entsandt werden, die keine Anrainer sind, also die Mehrzahl der Teilnehmer an „See Brise“, gelten spezielle Regeln. Diese wurden festgelegt im Jahr 1936 im Vertrag von Montreux. Danach muss die Durchfahrt eines Kriegsschiffes durch den Bosporus der Türkei im allgemeinen acht Tage zuvor mitgeteilt werden. Nicht-Anrainer müssen ihre Kriegsschiffe spätestens nach 21 Tagen wieder abziehen. Diese beiden Bestimmungen dürften keinerlei Schwierigkeiten verursachen. Doch etwas anderes ist es mit den technischen Einzelheiten.

So ist die Tonnage der Kriegsschiffe von Nicht-Anrainern beschränkt, und zwar in der Summe auf 15.000 Tonnen. Einzelne Kriegsschiffe dürften 10.000 Tonnen nicht überschreiten. Der Sinn dieser Regelung ist es natürlich, die Kampfkraft fremder maritimer Einheiten unter Kontrolle zu halten. Doch 1936 – das ist sehr lange her, vor allem mit Blick auf die militärtechnische Entwicklung. Ein heutiger Zerstörer mit 8000 Tonnen hat weitaus mehr Kampfkraft als ein Kriegsschiff von 10.000 Tonnen aus den 30er Jahren. Und dann: die Begrenzung der Tonnage bezieht sich auf einzelne Staaten. Daher kann die NATO ganz legal ein Vielfaches der für ihre Mitgliedsländer erlaubten Tonnage ins Schwarze Meer schicken. Das heißt also: Der Vertrag von Montreux ist reform-bedürftig.

Zunächst aber wird das NATO-Manöver wie geplant ablaufen. Wie geplant – wenn sich nicht wieder ein Zwischenfall ereignen sollte, wie vor etlichen Wochen, als ein russisches Kampfflugzeug einen US-Zerstörer elektronisch außer Gefecht gesetzt hat. Sonst werden es Manöver mit Ernstfall-Appeal.

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