Die Entdollarisierung der russischen Wirtschaft schreitet voran

Wer auf Sanktionen und undiplomatisches Verhalten setzt, muss unter Umständen mit entsprechenden Konsequenzen rechnen. Was bei weltwirtschaftlich eher unbedeutenden Ländern kaum Rückwirkungen hat, entpuppt sich bei Russland als ökonomischer Bumerang. Insbesondere für die USA.

Von Marco Maier

Wenn die Sanktionen gegen Russland eine Wirkung haben, dann jene der zunehmenden Entdollarisierung. Zählte die US-Währung viele Jahre als wichtigste Währung im Außenhandel, führen die westlichen Sanktionen zu einer verständlichen Gegenreaktion. Insbesondere mit jenen Ländern die immer wieder Ziel feindseliger Handlungen durch die USA und deren Vasallen sind, ergeben sich neue wirtschaftliche und finanzielle Perspektiven.

So streben inzwischen immer mehr russische Unternehmen die Abwicklung der Auslandgeschäfte im asiatischen Raum in den jeweiligen Landeswährungen an. Gegenüber der Financial Times sagte Pavel Teplukhin, Chef der Deutschen Bank in Russland: "In den letzten Wochen gab es auf dem Markt ein signifikantes Interesse der großen russischen Unternehmen, verschiedene Produkte in Renminbi und anderen asiatischen Währungen zu starten und Bankkonten in den asiatischen Ländern zu eröffnen."

Neben dem chinesischen Renminbi Yuan sind hierbei vor allem der Hongkong-Dollar und der Singapur-Dollar im Gespräch. Damit möchte sich die russische Wirtschaft angesichts der Sanktionen des Westens und der verstärkten Konzentration auf die asiatischen Märkte besser absichern. Diese währungstechnische Diversifizierung, die auch von China betrieben wird, sorgt für eine Stärkung der jeweiligen Landeswährungen und kann den US-Dollar etwas unter Druck setzen, der nur durch seine Rolle als Welthandelswährung überhaupt noch einen Wert besitzt.

Dollar-DMarkZwar besteht dadurch ein größeres Risiko hinsichtlich der Wechselkursschwankungen, doch dass der US-Dollar alles andere als wertbeständig ist, zeigt sich allein schon am Wechselkurs zur D-Mark (fortgeschrieben als Euro, siehe Grafik links). Und das, obwohl auch die deutsche Währung teilweise recht hohe Inflationsraten aufwies. Längerfristig dürfte der Handel in den jeweiligen Landeswährungen jedoch dazu führen, dass diese deutlich stabiler werden, was die Kalkulation der Unternehmen vereinfacht. Es scheint jedoch, als ob im Weltwährungssystem ein neues Zeitalter angebrochen ist und dem US-Dollar das Schicksal des Britischen Pfunds und aller anderer früherer Weltwährungen blüht.

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3 Kommentare

    1. Die USA haben sich schon längst militärisch überdehnt, weshalb Obama ja auch darauf besteht, dass die europäischen NATO-Staaten massiv aufrüsten sollen. Einen Krieg gegen Russland und China loszutreten wagen die Amerikaner nicht, sofern sie nicht vorhaben den 3. Weltkrieg loszutreten.

  1. So sehr ich mich auch über die insbesondere von China initiierte De-amerikanisierung der Welt freue…
    Man darf nicht übersehen, dass die Nachfrage nach asiatischen Währungen diese vergleichsweise verteuern. Das hat negative Effekte auf deren Exporte, dazu gehört auch die Tourismusindustrie.

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